Blog Deutsch, Mama sein

Wenn das Baby die Mama wegnimmt – 5 Praxistipps auf dem Prüfstand

“Das ist Mama Pinguin. Das ist Papa Pinguin. Und das ist Bobi.””Und wo ist Bodo?“, frage ich ihn. “Der ist nicht da.” “Aber er gehört doch zu uns.”, wiederhole ich. “Der ist nicht da”, herrscht Bobi mich an während er wild mit dem schwarzen Stift über das Bild der Pinguin Familie  in seinem Malbuch kritzelt. Das wohl eher einer der harmlosen Wutausbrüche seit der kleine Bruder auf der Welt ist. Aber wie geht man als Mutter damit um?  Ich weiss nicht wie oft ich Google in den letzten Wochen das Gleiche gefragt habe. Und habe die häufigsten Ratschläge auf Praxistauglichkeit getestet. Hier mein Fazit:

  1. Das Baby bringt ein Geschenk mit – wer hat das nicht probiert?

“Die ersten Tage war es ja toll.  Sogar ein Geschenk hat der mitgebracht. Einen Truck wo ich alle meine Autos reintun kann. Aber jetzt wird es langsam mal Zeit, dass der wieder geht und mir meine Mama wieder gibt.” So in etwa würde ich Bobi’s Gedanken interpretieren. War  ich doch so naiv vorher um zu denken, dass das Geschenk vom Baby direkt für eine innige Geschwisterliebe sorgen wird – genau 2 Wochen hat es angehalten. Dann wurde aus dem anfänglichen Abknutschen und Abtasten, ein in die Augen stechen und an den Haaren ziehen. Und das wovor ich große Angst hatte setzte ein, die Eifersucht. In der Praxis also eine nette Idee für den Moment, die das Problem aber nicht aufgehoben, sondern bestenfalls aufgeschoben hat. Ich würde es wahrscheinlich trotzdem wieder tun, schon allein um die Freude auf dem Gesicht meines Kind zu sehen – und was hatte ich auch allen ernstes erwartet?!


2. Das grosse Kind einbinden – der Klassiker.

So dass er sich nützlich und anerkannt fühlt. Sieht in der Praxis so aus, dass wenn ich Bobi bitte, mir eine Windel zu reichen, er diese zwar holt aber dann  entweder mir oder Bodo an den Kopf wirft. Bei einer Windel ist das ja erstmal nicht schlimm, nur leider ist das nicht der einzige Gegenstand, der bei uns zur Zeit durch die Gegend fliegt. Beim Baden, “unterstützt” Bobi mich beim Waschen; dies besteht darin den Waschlappen immer wieder über Bodo‘s Gesicht auszuwringen, und umso mehr Wasser dieser in die Augen bekommt, als umso witziger empfindet Bobi das Ganze. Ab sofort findet das Baden bei uns also nur noch während Bobi’s Betreuungszeiten statt. Dennoch ein Rat den ich selbst  – genauso schlau wie er im Buche steht – auch weitergebe – was soll ich auch anderes sagen? Und in der Hoffnung, dass es woanders ja vielleicht tatsächlich funktionieren kann.

3. Gestehen sie dem Kind auch böse Gedanken zu – bitte was?

“Fragen sie ihr Kind ob es dem Baby wehtun will, und gestehen sie ihm auch böswillige Gedanken zu.” – so heisst es in einem der Ratgeber. Um ehrlich zu sein habe ich mit dieser Aussagen so meine Schwierigkeiten. Tatsächlich habe ich diese Frage mehrfach gestellt und mein Sohn hat sie mehrfach bejaht – und nun? Möchte ich doch einerseits Verständnis für ihn aufbringen, ihm andererseits aber unmissverständlich nahelegen, seinen Bruder zu lieben und zu akzeptieren. Man mag unterschiedlicher Meinung darüber sein, was es heisst, hier richtig vorzugehen. Ich persönlich kann da irgendwie nicht hinterstehen und merke wie mein emotionaler Konflikt dadurch eher bestärkt wird, was wohl keine gute Voraussetzung ist, um hier eine Entspannung der Situation  herbeizuführen. Für mich also eher keine Option und ich werde diese Frage vermutlich auch kein weiteres Mal stellen.

4. Nicht schimpfen, ruhig bleiben – sagt sich leicht.

Dieser Herausforderung unterliege ich aktuell täglich – mehrfach. Wenn das Auto wiedermal auf Kopfhöhe fliegt oder jeder Weg mit ausgefahrenem Bein an der Babywippe vorbeiführt, ist es nicht leicht, nicht direkt in ein hysterisches Gebrülle zu verfallen – soll ich warten bis  Bobi sein Ziel erreicht hat? Darf ich erst dann schimpfen? Auf der anderen Seite, wenn ich jedes Mal schimpfe, verfehlt dies ja auch mit der Zeit die Wirkung. Zumal ich auch gar keine Lust habe jedes Mal laut zu werden. Eine Dosierung ist also sicherlich nicht verkehrt. In jenem Moment allerdings richtig einzuschätzen, welches Verhalten gerade angemessen ist, finde ich extrem schwierig. Zumal die Bedenkzeit ja auch auf wenige Sekunden begrenzt ist. Am besten ist es vermutlich immer einmal kurz durchzuatmen, um eine impulsive Reaktion zu vermeiden. Ich glaube jeder muss hier selbst für sich herausfinden, was am besten funktioniert. Und das vermutlich jeden Tag aufs Neue.

5. “Du kannst doch schon so viel” – das absolute “No Go”.

Dem Kind die Vorzüge verdeutlichen, dass er schon “so groß” ist und schon “so viel mehr kann.” Ganz kritisch. Diese Worte sind regelrecht das Ventil, um die ganzen unterschwelligen Aggressionen hervorzurufen. Dass diese raus müssen, ist sicherlich richtig, aber mir wäre lieber, ich könnte ihm hierfür einen Boxsack kaufen, statt einen Tritt ins Schienbein zu kassieren. Lediglich wenn ich Bobi vorschlage, dass wir zwei alleine mit seinem Fahrrad raus gehen, “weil Bodo das ja noch nicht kann”, lässt er sich von meinen Schmeicheleien einwickeln. Wobei der Grund glaube ich nicht unbedingt jener ist, dass er sich seinem Bruder gegenüber überlegen fühlt, sondern viel mehr die Tatsache, seine Mama für sich alleine zu haben und das darf ich ihm wohl auch kaum verübeln.

Zusammengefasst bleibt mir nur Folgendes zu sagen: Geduld aufbringen. Abwarten. Und weiterhin kompromisslos zu lieben. Aber dennoch Kompromisse zu lehren. Im Alltag muss Bobi verstehen lernen, dass sich nicht immer alles um ihn drehen kann. Am Wochenende versuche ich die Möglichkeit zu nutzen, auch mal Zeit nur mit ihm zu verbringen – und wenn es auch nur das gemeinsame Brötchen holen oder Einkaufen ist. Wer über weitere Tipps verfügt, die den Praxistest bestanden haben, darf diese gerne mit mir teilen. Es tut doch immer wieder gut zu hören, dass man nicht alleine ist. Und das alles einfacher wird. Zumindest bis der Erziehungsdämon einen vor die nächste Herausforderung stellt.

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