Bei der Arbeit, Blog Deutsch

Salami an der Scheibe, Papa auf dem Balkon

und das morgens um 8:30 Uhr – exakt 30 Minuten vor meiner Vorstandspräsentation.

Bis dato hätte ich eigentlich gedacht, dass ich was Stress in Ausnahmesituationen angeht schon recht wettbewerbsfähig bin – zumindest ist mein Level an Geduld, zunächst in Folge meiner Hochzeit  und zuletzt durch die Geburt von “Troublemaker Bobi”, rapide nach oben gegangen – zumindest für meine Verhältnisse. Das sieht man mir natürlich heute nicht an; mein Nervenkostüm ist eh schon hauchdünn, auch bedingt durch die schlaflosen Nächte die mir dieser Tag im Vorfeld bereitet hat. Meine innere “Alles muss perfekt sein”-Stimme hat hier auch nicht gerade geholfen. Im Gegenteil, mitten in der Nacht bin ich hochgeschreckt, weil mir einfiel, dass ich vergessen habe in meiner Präsentation ein klitze-kleines Detail zu ändern.

8 Uhr am nächsten Morgen. Endlich im Büro angekommen – völlig ausser Atem samt knallroter, hektischer Flecken die den ganzen Hals bis hin zum Dekolleté verzieren. Noch eine Stunde bis zur Präsentation. Ich spüre einen Funken Erleichterung, als ich den Computer hochfahre. Jetzt dauert es nur wenige Minuten bis ich diese verdammte Änderung – doe wahrscheinlich kein Mensch ausser mir je bemerken wird – vornehmen kann. Denkste. Der Computer, dieser Axxxx meint natürlich, dass heute ein perfekter Tag dafür sei, all seine Programme, Systeme und weiss der Kuckuck was noch, zu aktualisieren! WTF! Meine Kommillitonen an der Uni haben mir liebevoll den Spitznamen “Magneto” verpasst, da alles was ich anfasse, was nur im geringstem irgendwelche elektronischen Schwingungen enthält bei mir grundsätzlich seine letzte Ruhestätte findet. Tja, meinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht.
Neber der IT gibt es nur eine weitere Sache bzw. Person auf die ich mich gleichermassen verlassen kann, meinen Blutdruck ins Unermessliche zu katapultieren: meinen Mann. Als ich also in diesem Moment, seinen Namen auf meinem Handydisplay sah, überlegte ich zweimal ob ich drangehen soll oder nicht. Es war inzwischen 08:30 Uhr.

Polish_salami.jpg

“Was?”, pampte ich gestresst in den Hörer. “Bobi hat mich auf dem Balkon ausgesperrt und von innen die Tür zugemacht. Jetzt macht er sie nicht mehr auf. Zu blöd dass mein Mann schon häufiger Witze dieser Art am Telefon gemacht hat, wenn mir beruflich eine stressige Situation bevorstand. Seine Art mich zum Lachen zu bringen, um mir die Spannung zu nehmen. Gelacht habe ich nie, so auch an diesem Tag nicht und legte einfach wieder auf. 8:35 Uhr. Erneut klingelt mein Handy. Entschlossen nicht ranzugehen, liess ich einige Male klingeln, bis mich dieses bescheidene Gefühl beschlich, dass es dieses Mal vielleicht kein Scherz ist. “Was denn”, brüllte ich also ins Telefon. “ich meine es Ernst, Honey, die Tür ist zu und ich stehe hier, nur in Boxershorts und T-Shirt auf dem Balkon. Es war das letzte Oktoberwochenende. You have got to be kidding me.  Meine hektischen Flecken nahmen das zum Anlass sich weiter über meinen Körper auszubreiten. Ein paar Sekunden später erhalte ich eine Videonachricht auf meinem Handy, und alles was ich sehe, sind Salami Scheiben – verteilt quer über die Balkontür. Bobi konnte sein Gluck gar nicht fassen. Niemand der ihm was sagen konnte. Er hatte den Esszimmerstuhl durch die Wohnung bis hin zum Kühlschrank geschoben, war darauf geklettert und konnte nun die gesamten Tiefen des Kühlschrankes inspizieren – ohne Gemecker – Jackpot! Die Salami war dann anscheinend der Hauptgewinn. Nachdem diese an der Scheibe auf Klebtauglichkeit geprüft und für gut befunden wurde, nahm er Scheibe für Scheibe behutsam wieder ab – in die Kamera strahlend. ich wusste nicht, ob ich heulen oder lachen sollte, also tat ich beides.

Und kurz darauf kam dann auch gott sei Dank die Rettung – unsere Tagesmutter. Bobi hat ihre Stimme erkannt und sie in die Wohnung gelassen, so dass sie dann meinen Mann “befreien” konnte. Ab da habe ich mein Handy ausgeschaltet und für den Rest des Tages ausgelassen. Als ich dann abends nach Hause kam,  warteten mein Mann und Bobi bereits auf mich. Warteten darauf, dass ich die Salamispuren wegwische, nur um dann auszuprobieren, ob ein 500ml Becher Joghurt genauso gut an der Scheibe kleben bleibt…

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