Bei der Arbeit, Blog Deutsch

Warum das Privileg Home Office gängige Praxis werden sollte – für Mama, Papa und jeden anderen

Heute habe ich mich dazu entschieden,  mal wieder über ein anderes Thema als das leidige tägliche “Erziehungs-mimimi” zu schreiben. Nicht dass ich hierzu nicht genügend Gesprächsstoff hätte, aber um nicht total “loco im Kopf” zu werden, ist es mal an der Zeit meine Gedanken auch wieder anderen Dingen zu widmen. So wie meinem zweiten leidigen täglichen Lieblingsthema. Die liebe Vereinbarkeit zwischen Job und Familie, heute insbesondere im Hinblick auf das derzeit sehr viel diskutierte und publizierte Thema Home Office – “Mimimi” gibt es hier mit Sicherheit mindestens genauso viel.

Eigentlich hat mich dazu gerade ein Artikel den ich gelesen habe bewegt.

Deutschland – ein absolutes Entwicklungsland im Bereich Home Office. (Quelle: Die Welt)

Nicht wirklich überraschend denn ich kenne bislang nur wenige denen dieses Privileg eingeräumt wird. Das Mini-Monster ist nun 4 Monate alt und zum schnellen Wiedereinstieg “darf” ich nun seit einem Monat stundenweise von zuhause arbeiten und damit “darf” ich mich wohl glücklich schätzen.  Das tue ich auch und ehrlich gesagt  könnte ich mich  durchaus auch langfristig an diese Art zu Arbeiten gewöhnen –  insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Herausforderung  die uns ab Herbst ereilen wird, wenn ich wieder in Vollzeit in meinen Beruf zurückkehre. Das erfolgreiche Zeitmanagement wird dann mit 2 Kindern in unterschiedlichen Betreuungs-institutionen bzw. -personen mal wieder bis aufs Äußerste auf die Praxisprobe gestellt. 

Eigentlich ist es doch paradox, denn Ich behaupte, dass es auch aus Unternehmenssicht viele Gründe gibt die durchaus dafür sprechen den Mitarbeitern regelmäßige Home Office Zeiten einzuräumen, warum also ist ein fortgeschrittenes Land wie Deutschland so schlecht und langsam darin, seinen Arbeitnehmern auch fortgeschrittene Personalpraktiken anzubieten?  Meine Gedanken – mit versuchter Objektivität zwischen persönlicher Herzensangelegenheit als Mama und meiner beruflichen Verantwortung als “Personaltante” – wie folgt:

Regelmäßige Home Office Zeiten generieren eine Zeitersparnis durch wegfallende Arbeitswege – und das nicht zu knapp.

Die Zeitersparnis durch wegfallende Arbeitswege beläuft sich auf ca. 4,4 Stunden pro Woche. (Quelle: BMFSJ)

Könnte das nicht letztendlich eine Produktivitätssteigerung für die Unternehmen bedeuten, wenn die Mitarbeiter diese Zeit bei der (virtuellen) Arbeit, statt im Auto oder Bus zu verbringen? Klingt für mich eigentlich logisch. In vielen Unternehmen gibt es ohnehin schon zu viel “tote Zeit”, wenn bspw. zwischen verschiedenen Standorten hin- und hergependelt werden muss. Wer selbst Auto fährt ist in diesem Zeitraum außer Gefecht um in dieser Spanne zumindest den Emaileingang abzuarbeiten. Auch die Versuche Telefonate in Auto, Bus oder Bahn zu führen, sind eher semi-optimal, denn meistens geht es gerade dann von einem Funkloch ins nächste, zumindest war das bei mir immer so.

10 Tage als zusätzlich eingeräumte “Erlaubnis” zur Abwesenheit im Krankheitsfall des Kindes – bräuchten wir die?

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass diese zwar einerseits schnell aufgebraucht sein können, auf der anderen Seite aber vielleicht gar nicht nötig wären, wenn dem Mitarbeiter die Möglichkeit geboten wird, seine Aufgaben, zumindest teilweise, aus dem Home Office zu verrichten. Und ich behaupte, dass im Zuge der Digitalisierung auch eerstmal grundsätzlich absolut nichts dagegen spricht – zumindest bei normalen Bürotätigkeiten.

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Natürlich gibt es Situationen in denen man mit krankem Kind zuhause nicht einem gleichen Tagesablauf wie im Büro nachgehen kann, wenn bspw. ein Besuch bbeim Arzt oder schlimmstenfalls auch Krankenhaus ansteht. In der Regel handelt es sich aber auch oft um harmlose Kinderkrankheiten, die  lediglich eine Fremdbetreuung aufgrund der Ansteckungsgefahr unmöglich machen. Zwar ist es sicherlich nicht ideal Telefonkonferenzen zu führen oder statistische Analysen zu fahren, wenn im Hintergrund ein oder mehrere Kinder durch die Gegend springen und kreischen (denn so ist es ja verwunderlicherweise meistens bei “kranken” Kindern?!), dennoch geht es um den grundsätzlichen Ansatz, dass nur weil das Kind gehütet werden muss, kein Grund besteht, einen blauen Schein für ein oder mehrere Tage einzureichen, und somit ja schlussendlich auch die Arbeit brach liegt. Gleiches sollte im übrigen auch für kinderlose Mitarbeiter gelten bzw. grundsätzlich im eigenen Krankheitsfall – denn wer kränkelt und sich dennoch ins Büro schleppt, läuft allseits bekannt nicht nur Gefahr den eigenen Zustand zu verschlechtern, sondern verseucht höchst wahrscheinlich das restliche Kollegium gleich mit. Da freut sich dann erst recht die Krankenstatistik, die ohnehin – und vielleicht zum Teil auch deswegen? – kontinuierlich in dis Höhe geht. Dann doch besser gleich zuhause bleiben und mit Kamillentee, Wärmflasche oder in Wolldecke eingemummelt an den Laptop.

Flexible Arbeitszeiten zur individuellen Gestaltung – Vertrauen statt Kontrolle.

Wir müssen weg von starren Arbeitszeiten und Anwesenheitspflichten. Die Menschen in jene Strukturen hineinzudrängen ist alles andere als zukunfts- und erfolgsorientiert. Ohne auf abgedroschene Schlagwörter wie Generation Y, Z oder Millenials im Detail eingehen zu wollen, lässt sich einfach nicht ignorieren, dass sich durch den unaufhaltsamen Fortschritt der Technik einfach alles geändert hat und weiterhin ändern wird – die Art wie wir leben, denken, uns selbst und andere bilden und eben auch arbeiten. Und es macht Sinn. Ist es doch auch absolut typabhängig, wann und wie sich jemand am besten konzentrieren kann oder sein Kreativ-peak hat. Warum also den Mitarbeitern eine Büroanwesenheitszeit von 9-17 Uhr aufzwängen – ist das im Sinne der Produktivität? Wohl eher nicht. “Hauptsache die Arbeit ist erledigt,” muss es viel öfter heissen. Und nur darauf darf es ankommen. Und tut es ja eigentlich auch nur, zumindest im Hinblick auf den Unternehmenserfolg. Mitarbeitern vertrauen und ein Maß an Eigenständigkeit übertragen. Wenn diese Basis nicht gegeben ist, sollte man grundsätzlich das gesamte Anstellungsverhältnis in Frage stellen. Erfolgreiche und innovative StartUp Unternehmen wie Trivago gehen sogar soweit auch keine festen Urlaubstage zu haben, da Mitarbeiter selbst entscheiden und wissen sollten, ob es möglich ist den Tag frei zunehmen oder nicht. Ich wiederhole: “Hauptsache die Arbeit ist erledigt”.

Familienfreundliche Unternehmenspolitik ist für mich persönlich mittlerweise das primäre Kriterium nach dem ich einen Arbeitgeber wähle und bewerte.

Und aktuelle Studien belegen, dass ich nicht die einzige bin. Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeiten sind hier schon seit einiger Zeit im Fokus und beständig unter den Top-3 beim Thema Mitarbeiterbindung. Wobei flexible Arbeitszeiten in der Vergangenheit zumeist nicht das “wo”, sondern lediglich das “wann” betrachtet haben. Dennoch gibt es auch hier großen Optimierungsbedarf, denn – wie bereits weiter oben erläutert – ist eine Flexibilität innerhalb der Kernarbeitszeiten (zwischen 08:0-18:00) nicht gerade eine Revolutionierung,  zumal einige der mir bekannten Gleitzeitmodelle eine gerade zu lachhafte “Flexibilität” von 30 – 60 Minuten vorsehen. Viele Elternteile – und das sind zum Großteil nachwievor die Muttis –  sind dadurch gezwungen Teilzeit zu arbeiten, um ihre Kinder rechtzeitig von Schulen, KiTas oder Tagesmüttern abzuholen. Das mag für die ein oder andere Mama die ideale Lösung einer Vereinbarkeit sein, dennoch kenne ich viele Frauen – mich eingeschlossen – die  nachwievor berufliche Ambitionen haben – aber habt ihr schon mal von einer beruflichen Karriere in Teilzeit gehört?!

Das Unternehmen muss die Kompetenzen seiner Mitarbeiter effizienter einsetzen und sich nicht (gedanklich) von diesen verabschieden, nur weil jemand Mama oder Papa geworden ist. Wir werden vielleicht über Nacht Eltern, aber nicht über Nacht dumm.

Kompetenzen haben natürlich zunächst keinen greifbaren, monetären Wert, dennoch heisst es doch nicht ohne Grund, dass Mitarbeiter das wichtigste Kapital sind – klingt immer wieder irgendwie abgedroschen, aber es ist tatsächlich so. Und das sage ich nicht, weil es mein Job ist, sondern meine Überzeugung. Was für eine Verschwendung (für das Unternehmen) ist es also Mitarbeiter die über herausragende Kompetenzen verfügen, kaum das der Familienzuwachs da ist, mit weniger Aufgaben und Verantwortung zu betrauen, – vorausgesetzt der Mitarbeiter hat nicht selbst darum gebeten. In meinem Fall und in auch in meinem Bekanntenkreis gibt es eher viele Mamas die nach der Babypause absolut darauf brennen, da weiterzumachen wo sie vorher aufgehört haben. Und ausser vielleicht ein wenig post-natale Zerstreutheit im Alltag ist mir nicht bekannt, dass eine Geburt bleibende Intelligenzdefizite auslösen kann, warum also die vorhandenen Hirnzellen nicht bis zum Äußersten ausschöpfen?

Unternehmen müssen zum einen viel innovativer zum anderen aber schlicht und einfach offener werden, um die digitalen und technologischen Hilfsmittel die heutzutage ja zu Genüge zur Verfügung stehen effizienter einzusetzen, und so auch Müttern und Vätern – wenn sie es denn möchten – einen schnellen Wiedereinstieg oder Aufstockung der Stunden zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang auch die Hoffnung, dass das Bundeministerium unterstützt, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zum Thema Elternzeit-und geld zu schaffen. In vielen Fällen wäre das sicherlich eine Win-Win-Situation. Wer ein Unternehmen mit familienfreundlichem Credo und praxistauglichen flexiblen Arbeitszeiten gefunden hat, wird dies sicher nicht allzu schnell verlassen – zumal es ja heute (leider) einfach noch zu wenige davon gibt und man sich hiermit als Unternehmen recht schnell und einfach von der Konkurrenz abheben kann, wenn es um die Positionierung als Arbeitgeber geht. Mittelfristig und im Zuge der Digitalisierung wird der Trend ohne dahin gehen, dass Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeit und -ort zunehmend gängige Praxis werden und die Unternehmen die nicht mitziehen, bleiben auf der Strecke.

Abschliessend möchte ich trotz hohem “Minimi” & “Ranting”-Faktor (den ich ja schon irgendwie befürchtet hatte) zusammenfassen, dass ich persönlich auch nicht an ein ausschliessliches Home Office glaube – es sollte nachwievor gewisse Kernzeiten geben, zu denen Mitarbeiter anwesend sind  um regelmäßige Besprechungen oder einfach einen Austausch  – der persönlich ja doch oft anders ausfällt – zu gewährleisten. Ausserdem finde ich die Vorstellung nur noch virtuell miteinander zu kommunizieren auch irgendwie beängstigend – wobei sich auch das vermutlich nicht aufhalten lässt. In unser jetzigen Zeit denke ich gilt wie eigentlich für fast alles, das berühmt-berüchtigte-gesunde Mittelmaß – ein Mix aus Bürozeit und Home Office ist in meinen Augen ein nachhaltiges und langfristiges Erfolgsrezept für Mitarbeiterzufriedenheit und wie sich diese auf Unternehmenserfolg auswirkt brauche ich glaube ich nicht zu erläutern.

4 thoughts on “Warum das Privileg Home Office gängige Praxis werden sollte – für Mama, Papa und jeden anderen”

  1. Liebe De Sa,
    ich bin exakt Deiner Meinung, es sollte viel öfter die Möglichkeit für Eltern geben im Home Office zu arbeiten. Denn was bringt es einem Arbeitgeber absolut gestresste Mitarbeiter bei sich zu haben, die jeden Morgen von zuhause in die Kita und dann zur Arbeit hetzen müssen – genau, nichts. Doch wie du sagst, leider ist dieses Thema in Deutschland noch sehr zurück, deshalb finde ich es gut, wenn dieses Thema öfter angesprochen wird.

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Hi Tina,
      Die Hoffnung bleibt, dass (deutsche) Unternehmen verstehen lernen, dass dieses “Privileg” in Zukunft unumgänglich wird, denn nicht nur Eltern, sondern auch die Nachfolgegeneration sucht gezielt nach Flexibilität bei Arbeitszeiten und -Ort, bei der Jobsuche – ein Hoch auf die Millennials die hoffentlich Schwung in die Debatte bringen 😊👍

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