Blog Deutsch, Mama sein

Geburtstrauma mal 2 – Über ärztliche (Fehl-)Prognosen und warum der werdende Papa das nächste Mal nicht dabei sein darf

Zu einem der einschneidensten Erlebnisse des Lebens zählt definitiv der Moment in dem es dem kleinem, in der Mamakugel herangewachsenden, Wesen  zu eng wird – die Geburt. Ich “durfte” dieses ganz besondere Erlebnis nun schon zweimal durchleben, und das nicht allein. Papa Habibi war beide Male mit dabei – so wie sich das gehört und sich eigentlich ja auch jede Frau wünscht. Zumindest bis sie meine Story gehört hat. Warum ich diesen wichtigsten Moment meines Lebens – zum Schutz unserer ganzen Familie –  definitiv kein drittes Mal mit meinem Mann teilen werde:

Geburtstrauma 1:

Woher weiss frau beim ersten Mal, dass die Wehen einsetzen? Eine Frage die mir jede Frau die zum ersten Mal schwanger ist, stellt und die ich damals ebenso jeder Mutter gestellt habe, aus Angst, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen und das Kind dann zuhause irgendwann so aus einem “rausploppt” – naja, wie man das halt in Hollywood Filmen so sieht. Drei Tage vor dem vorausgesagten Entbindungstermin war es dann so weit. Papa Habibi war bei der Arbeit und nachdem ich ihn anrief, stand er auch vorbildlich kurze Zeit später auf der Matte. So weit so gut.  Im Krankenhaus angekommen, wurde ich routinemäßig zunächst an den Wehenschreiber gekabelt und ärztlich untersucht.

Fahren Sie wieder nach Hause. Es wäre ein Wunder, wenn das Kind diese Nacht zur Welt kommt.

Ich sträubte mich (glücklicherweise!) gegen das Urteil der Ärztin und beharrte darauf die Nacht im Krankenhaus zu verbringen. Ich bekam also ein Zimmer zugeteilt und sollte dann nochmal zum Wehen messen kommen. Gesagt getan. Die Abstände der Wehen verkürzten sich, so dass die Hebamme kurze Zeit später bereits den Kreißsaal herrichtete.   Kurz darauf  flog dann auch meine Mama ein, mit samt berühmten Jütebeutel, der nur ein Sortiment meiner Lieblingssnacks enthalten konnte. So war es dann auch. Sehr zur Freude von Papa Habibi. Nachdem dieser den Inhalt ausgiebig inspiziert, kommentiert und dann direkt verschlungen hatte –  ohne einem auch nur die Chance eines “STOOOOP!” zu geben (denn frau war ja auch ein bisschen mit sich selbst beschäftigt), nahm er mit ebenso großer Freude zur Kenntnis, dass da ja noch ein Bett im Kreißsaal stand – und es war schliesslich schon spät, und Papa Habibi müde und vollgefressen. Kurze Zeit später vernahm ich nur noch laute Grunzgeräusche, die in der Lautstärke mit meinen Schmerzesausrufen konkurrierten.

Meine Mama kauerte händchenhaltend auf dem Stuhl neben mir, während mir die Anästhesistin ENDLICH diese verdammte PDA versetzte (welche ich bis zu diesem Tag vehement abgelehnt hatte!) und die damit herbeigesehnte Minderung der Schmerzen herbeiführte. Einige Stunden vergingen, und ich war in einem totlalen Trance Zustand, bedingt durch die Mischung aus Schmerzmitteln, die ich vor der PDA  eingeflößt bekommen hatte und den Schmerzen, die ich (wenn auch in sehr abgeschwächter Form, wie ich bei der 2. Geburt erfahren sollte)  immer noch hatte. Als dann auf einmal fröhlich trällernd die Morgenhebamme reinplatze und das grelle Licht anmachte, war ich von jetzt auf gleich wieder absolut klar.

“So. Es wird höchste Zeit das Kind zu kriegen”. Scheisse! Wie jetzt? War doch alles gerade so schön pink und verschwommen um mich rum.

“Wir müssten Sie nur erst umbetten.” Sie zeigte auf das Entbindungsbett auf dem mein Mann noch immer laut vor sich hinschnarchte. “Machen Sie nur”, sagte ich, “ohne Rücksicht!” Ziemlich wirsch schüttelte die Hebamme also Papa Habibi wach, worauf dieser völlig verwirrt um sich guckte und sich kräftig streckte. “I need to sleep, I am so tired.” Was für ein Glück (für ihn!), dass ich mich kaum bewegen konnte – und ja auch nachwievor einfach viel zu viel mit mir selbst beschäftigt war, sonst hätte ich in diesem Moment für nichts garantieren können. Nach einer Dosis wehenfördernder Mittel und etwa 10-15 Minuten animierten Pressens, war der kleine Bobi auf der Welt – und was ich erst später erfahren sollte, er würde genauso wie sein Vater werden und seinem Spitznamen Troublemaker alle Ehre machen.

Geburtstrauma 2:

Beim zweiten Mal ist frau ja fast schon Profi, oder? Naja, also immerhin weiss man wie sich Wehen anfühlen, aber heisst es doch immer, dass das beim zweiten Mal alles viel schneller geht. In meinem Kopfkino gab es also auch dieses Mal wieder oskarreifes Hollwoodprogramm. 1 Tag vor dem Entbindungstermin war es also dieses Mal soweit, Papa Habibi stand wie auch schon beim letzten Mal direkt auf der Matte. Mal sehen wie lange das vorbildliche Verhalten wohl dieses Mal anhalten würde? Auf zum Krankenhaus und wie schon beim letzten Mal, ab an den Wehenschreiber und zur Ärtzin.

Der Geburtsvorgang hat zwar begonnen, es sieht trotzdem danach aus, als dass es noch ein paar Tage dauern kann bis das Kind kommt.

Immerhin liess sie es mir dieses Mal freigestellt im Krankenhaus zu bleiben oder wieder nach Hause zu fahren. Und im  Unterbewusstsein wusste ich schon jetzt, dass egal wie ich mich entscheide, das Gegenteilige wird eintreffen. Ich entschied mich also dieses Mal dafür wieder nach Hause zu fahren – die Schmerzen waren zu diesem Zeitpunkt auch durchaus aushaltbar. Kaum ins Bett gelegt, setzte neben mir in Sekundenschnelle wieder das vertraute Schnarch-Gegrunze ein, und wie schon befürchtet, begannen die Schmerzen stärker und die Abstände kürzer zu werden.

Um 2 Uhr morgens, waren es dann alle 8 Minuten und ich empfand es an der Zeit, Papa Habibi aus seiner Traumwelt zu holen und zurück ins Krankenhaus zu düsen. Schon im Auto waren die Abstände nunmehr auf 4 Minuten geschrumpft und die Schmerzen bereits kaum auszuhalten. Die Hebamme verkabelte mich auch dieses Mal wieder zunächst mit dem Wehenschreiber, nur konnte ich kaum mehr sitzen vor Schmerzen. Und dieses scheiss Gerät reagierte einfach nicht! Ich wartete darauf, dass die Kurve bei jeder Wehe steil in die Höhe schiessen würde, aber nichts! Ich war verzweifelt, Papa Habibi hingegen tiefenentspannt. Ich solle nicht so ein Drama machen, schliesslich sei das Gerät am Nachmittag schon viel mehr ausgeschlagen und das sei wahrscheinlich alles nur psychisch. Dann scrollte er auf seinem Handy durch die “Autoscout” App. “Look at this one, what do you think?” Da hielt er mir doch tatsächlich sein Handy mit irgendso’nem scheiss Auto auf dem Display unter die Nase. 

I really don’t care, do whatever you want und jetzt hol endlich die Hebamme, weil das scheiss Ding hier nicht funktioniert.

Die Hebamme schien mich gehört zu haben und kam sofort angelaufen um mich von dem Wehenschreiber zu befreien und direkt auf das Kreißsaalbett zu hiefen. “Ich möchte eine PDAAAAAAAA…” – in dem Moment wusste ich, dass es dafür zu spät war. Es waren die Schmerzen meines Lebens, die gott sei Dank in Rekordzeit wieder vorbei waren, denn keine 10 Minuten später klatschte mir die Hebamme unser Mini-Monster Bodo auf den Bauch.

Dieses Mal hatte es meine Mama also leider nicht rechtzeitig geschafft – was im Übrigen Papa Habibis größte Sorge war, denn es waren noch fast 4 Stunden bis es Frühstück geben würde.


Mein (persönliches) Fazit nach 2 Geburten: 

  1. Vertrau auf dein Gefühl, NICHT auf die Prognosen der Ärzte.
  2.  Nimm deine Mutter/beste Freundin mit in den Kreißsaal, NICHT deinen Mann.

Und last but not least, kümmer dich um einen zuverlässigen Abholdienst am Entlassungstag. Die Krankenschwestern waren alles andere als amused als ich noch ein paar Stunden länger samt Baby und gepackten Koffern auf meinen Fahrer (Mann) warten musste – denn dieser hatte auf dem Weg ins Krankenhaus noch einen “kurzen” Umweg zum Autohaus gemacht. Meine Aufregung konnte er natürlich gar nicht verstehen, schliesslich hatte ich ihm doch gesagt “er solle machen, was er will”. Also “machte” er.

Gibt es irgendwo da draussen vielleicht zumindest einen Mann, der das toppen kann? Kommt schon, geteiltes Leid ist halbes Leid! Andernfalls werde ich mich  wohl glücklich schätzen (müssen), dass mein Mann anscheinend wirklich – in jederlei Hinsicht – etwas Ganz Besonderes ist!

 

6 thoughts on “Geburtstrauma mal 2 – Über ärztliche (Fehl-)Prognosen und warum der werdende Papa das nächste Mal nicht dabei sein darf”

  1. Boah ich musste echt kichern… Papa Habibi ist ein echt witziger Kerl. So einen kann man gut gebrauchen in den Wehen 😉 Mein Freund war bei Geburt 1 auch so ein Vollpfosten – er war ja so müde (hallo, wer hat 2 Nächte nicht gepennt) und hat dann auch erstmal in meinem Bett gepennt, während ich ein paar Stunden allein hechelte. Und als das Kind da war, wer hat Tag und Nacht durchgeschnarcht? Ich definitiv nicht… Bei Kind 2 war ich allein im Geburtshaus (war gut so!) und bin nachts wieder zurück, nur um ihm wieder beim Schnarchen zuzuhören während Kind 1 mich wach gehalten hat, grummel…

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    1. Haha…jaja, bei manchen Männern braucht man echt keine Feinde…es gibt wahrscheinlich viele Knallergeburtsgeschichten, aber meinen Mann darf ich echt täglich aufs Neue feiern… immer wieder inspirierend 😅

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  2. *chrchrchr* Papa Habibi würde ich auch raus schmeißen. Aber den Wikingerkerl, da muss ich leider widersprechen, DEN würde ich jeder werdenden Mutter empfehlen. In Ernst. Der Gute ist während der ersten SS zu einer Art männlicher Hebamme geworden und war tatsächlich gerade beim ersten Mal (neben den wundervollen Großkind selbstverständlich) das einzig Gute an der ganzen Geburts Geschichte. Aber ich gebe zu: könnte sein, dass er eine rühmliche Ausnahme ist. Oder doch Papa Habibi?!
    Viele liebe Grüße zumindest an die Profi- Mama!
    😂

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    1. Alter Schwede. Es ist nicht so, dass ich mit Grammatik nichts anfangen könnte. Es ist nur so, dass das meine Autokorrektur überhaupt nicht interessiert. Sorry!

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    2. 😂 wow, ein Hoch auf den Wikingerpapa, ich bin echt zu tiefst beeindruckt. Ja, Papa Habibi schafft es wirklich immer wieder sich absolut selbst zu übertreffen – sagen wir mal er ist eine kontinuierliche Inspiration zum Schreiben 😉 ganz viele liebe Grüße zurück, auch an den tollen Wikingermann 😊

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