Blog Deutsch, Mama sein

Willkommen zurück im Mombieland – da wo Müdigkeit keine Grenzen kennt

Wahrscheinlich sollte ich mich eigentlich glücklich schätzen, dass ich dem Mombieland so lange entkommen konnte, zumindest wesentlich länger als ich zunächst befürchtet hatte. Denn es war nicht etwa die bevorstehende Geburt des kleinen Mini-Monsters, die mich vor knapp einem halben Jahr in Panik versetzte. Es waren auch nicht die Gedanken daran wie das Leben danach wohl mit 2 Kindern zu bewerkstelligen sein wird. Nein, es war schlichtweg diese endlos lange Spanne der Dauererschöpfung die damals mit der Geburt des Troubemakers einsetzte, vor der ich so eine Höllenangst hatte. Es sind Erinnerungen an viele Wochen in denen ich teilweise nur noch apathisch vor mich hin vegetierte und für mein Baby irgendwie funktionierte.
Das Glück sollte dieses Mal auf meiner Seite sein und ich wurde mit einem bislang überaus ausgeglichenen und zufriedenen, kugelrunden (Buddha-)Baby gesegnet, das nicht von Koliken geplagt wurde und es direkt verstand zwischen Tag und Nacht zu differenzieren. Die Änderung dieses friedvollen Zustandes wurde bereits vor kurzem, mit Beginn des Ankunft des Zahnzwerges eingeläutet und seither hat das Mini-Monster leider nicht wieder zu seinem inneren Frieden gefunden, was für mich soviel heißt wie:

Willkommen zurück im Mombieland, da wo Müdigkeit keine Grenzen kennt – ich habe dich überhaupt nicht vermisst!

Ob Tag, ob Nacht – das Mini-Monster klebt auf mir und schreit sich mit jeder Sekunde, in der er mal nicht auf mir liegt,  mehr in Rage.

Jeder Toilettengang ist nur samt Maxi Cosi möglich und selbst das passt ihm nicht, denn viel lieber würde er zusammen mit mir auf der Kloschüssel hocken. Unter der Dusche geht’s, zumindest für einen Moment – denn Geräuschkulissen scheinen ihn zu faszinieren. So sehr, dass ich manchmal den Staubsauger neben die Babywippe stelle, damit ich mir in der Zeit etwas zu essen machen kann. Denn das ist in den letzten Tagen oft zu kurz gekommen und so vergeht nicht selten der halbe Tag bis ich realisiere, dass ich noch nichts gegessen habe. Insofern könnte man denken, dass das Ganze ja zumindest mal einen positiven Nebeneffekt hat, denn

Hey, in meinem Mombieland da purzeln die post-natalen Pfunde nur so. 

Nur leider hört das Beauty Treatment auch hier schon auf. Denn jedes Pfund rächt sich mit einer zusätzlichen Falte und einer Hand voll grauer Haare. Darüber hinaus bin ich wohl in erster Linie dank glücklicher genetische Veranlagung ohnehin bereits binnen weniger Tage nach der Geburt schon wieder auf mein Normalgewicht zusammen geschrumpft und inzwischen schlabbern die Hosen fast schon so tief wie leer getrunkene Brüste – ich weiß, kein besonders esthetischer Vergleich, aber im Moment liegt Esthetik auch eher auf der Gegengerade, wenn es um die Beschreibung meines Äußeren geht.

Wenn Zähneputzen nur auf Sparmodus funktioniert, ein Teil der Haare büschelweise in den Teppichen hängt und der andere Teil ständig nach ausgekotzter Milch stinkt, man bei jedem Spiegelblick aufs Neue einen Schock kriegt, dann wird das Selbstwertgefühl schon mal auf die Probe gestellt. 

ICH. BIN. SOOOO. MÜÜÜÜÜÜÜDE!!!


Am besten sind da natürlich diese tollen Ratschläge: “Wenn das Baby schläft, solltest du auch schlafen”… Ich meine, tagsüber schläft das Mini-Monster grundsätzlich nur noch unter zwei Umständen, und das ist entweder im Auto oder – wie bereits erwähnt- auf meinem Bauch. Letzterer Umstand wäre ja theoretisch umsetzbar und den steifen Nacken würde ich auch dankend für ein kleines Nickerchen in Kauf nehmen, nur gibt es da ja noch unseren herzallerliebsten Troublemaker und der trägt nicht umsonst diesen Namen. Das ganze gestaltet sich also in der praktischen Unsetzung leider sehr viel schwieriger als in der so leicht daher gesagten Theorie.
Das hindert aber natürlich niemanden daran noch weitere Weisheiten von sich zu geben:

Vergiss doch einfach mal den Haushalt, es interessiert keinen wie es zuhause aussieht.

Alles nett gemeint, keine Frage – was soll man auch sonst sagen, aber habt ihr auch nur den Hauch einer Vorstellung davon wie es hier aussieht, wenn ich tatsächlich auch mal nur einen Tag in den Haushaltsstreik treten würde? (Für die Muttis ist das wohl eher ne rhetorische Frage.) Ich meine, im Krankheitsfall im Büro gibt es meist noch einen Kollegen der den Ausfall abfängt und alles läuft irgendwie weiter, aber hier läuft nix. Es geht nicht mal was. Nein, es liegt und dass solange bis man den Bodenbelag nicht mehr ausmachen kann – vor lauter Dreck, Wäschebergen und überlaufenden Mülleimern. Und bevor der Mann was dran ändert, hast du ihn schon zehnmal darum gebeten und es ist trotzdem nichts passiert. Willkommen in der Mutti GmbH – selbst und ständig it das Motto.

Bleibt also nur noch: Kaffee! Viiiiiel Kaffee! Nein, nicht mal das ist einem gegönnt, um der Müdigkeit den Finger zu zeigen – denn der Espresso geht direkt von der Kapselmaschine  in die Melkmaschine und dann “musst du dich ja auch nicht wundern, dass der kleine nicht schläft.”

Wuaaa, lasst mich doch alle in Ruhe mit euren Klugscheissereien und gönnt mir dieses kleine Stück Lebensfreude was mich gerade noch am Rande meiner Existenz erhält.


Ich bin mir sicher, dass auch diese Phase (vor der Phase) irgendwann wieder vorüber geht, aber für den Moment lobe ich mir meinen XXL Kaffeebecher als treuen und zuverlässigen Lebensabschnittsgefährten – man möge bitte Nachsicht mit mir haben und ausnahsweise von einem Shitstorm zu Dingen wie exzessiven Koffeinkonsum während der Stillzeit oder ähnlichen Dingen absehen, denn dazu habe ich gerade wirklich nicht die Energie. Wer hingegen gerade ein bisschen Plüsch oder Glitzer im Überschuss hat, darf mich gerne von oben bis unten damit bedecken – ab jetzt und auf unbestimmte Zeit…

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