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“Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin” – Überforderung im (normalen) Alltagswahnsinn

Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin.

Da ist mir echt nach im Moment, genauer genommen ist mir gerade nach allem was auch nur annähernd nicht meinem aktuellen Alltag entspricht. Denn ich bin müde, ausgelaugt – und hab einfach keine Lust mehr. 
Dabei ist eigentlich nicht mal etwas gravierendes vorgefallen, zumindest nichts was sonst nicht auch passiert.

Der Troublemaker ist krank, zumindest war er es – in den 5 Minuten bevor ich bei der Tagesmutter  angerufen habe um ihn zu entschuldigen. Kurz darauf erfolgte – wie von Zauberhand – die umgehende Genesung. Mir war eigentlich da schon klar, dass die mir um 11 Uhr bevorstehende Telefonkonferenz ein Disaster ergeben würde, aber ich hatte insgeheim doch gehofft, dass ein bisschen Medienbeschallung die Stunde irgendwie überbrücken würde, und ich mich in der Zeit meiner Arbeit und der Person auf der anderen Seite des Hörers widmen könnte.

Das Mini-Monster ist heute, wie nun schon seit Tagen, auch wieder eher semi gut gelaunt aus dem Schlaf erwacht – immer noch gezeichnet von der Nacht, in der er mal wieder mit seiner völlig verstopften Nase kämpfte. Das geht mittlerweile schon über 2 Wochen so. So ziemlich genau seit es mich so richtig niedergestreckt hat und ich habe das Gefühl sein Immunsystem läuft seither auf Hochtouren. Denn dass sich die Bazillen anscheinend immer noch in unserem direkten Umfeld aufhalten, spüre ich seit heute selbst wieder am eigenen Leib bzw. im Hals. Denn dort kratzt es schon wieder gewaltig und das tut nicht nur weh, sondern es nervt. Es nervt mich immens, schließlich bin ich mal abgesehen von üblichen Erkältungswehwehchen nie krank. NIIIEEEE!

Bildrechte: Pixabay

Sicher könnte ich jetzt wieder zum Arzt rennen, nur kann ich mir wohl kaum alle 2 Wochen ein Antibiotikum reinpfeifen. Und mit 2 Kindern zuhause habe ich da schon mal gar keine Lust zu. Und keine Zeit. Denn abgesehen von meiner Telefonkonferenz habe ich mal wieder etliche Sachen auf meiner To-Do-Liste.

Die Deadline des Gründerwettbewerbs für das Projekt Selbständigkeit steht an. Ich muss noch die Fotos vom Fotografen abholen und in unseren Business Plan einfügen. Vielleicht kann ich das machen wenn ich zum Bürgerbüro fahre um den Ausweis vom Mini-Monster zu beantragen? Oder lieber dann, wenn das Auto in die Werkstatt muss. Nein, ich brauche die Fotos jetzt. Und dann muss der Inhalt natürlich überzeugen – da will noch einiges bearbeitet, formatiert und korrigiert werden – denn wenn  es nicht perfekt wird, kann ich es auch gleich lassen. 

Um 15 Uhr habe ich einen Termin in der KiTa, zur Vertragsunterzeichnung. Aprospos KiTa – ich muss unbedingt noch Termin und Location für die  Unterschriftenaktion gegen die Erhöhung der KiTa Beiträge kommunizieren, wenn ich nächste Woche nicht umsonst samt Baby 2 Stunden an Ort und Stelle hocken möchte. Dem Layout meiner Homepage werde ich mich wohl heute wieder nicht widmen können, was mich persönlich sehr ärgert, denn es sieht unfertig und unprofessional aus und das kann ich mit meinem Perfektionsanspruch an mich selbst mal so gar nicht vereinbaren.

Und dann sind da noch die Lebensläufe die ich versprochen habe zu korrigieren – das neue Jahr hat begonnen und mein “kannste mal eben drüber gucken damit ich mich bewerben kann”-Career-Service für Family & Friends läuft gerade wieder auf Hochkonjunktur. Nicht das ich das nicht gerne mache, es versteht sich von selbst, aber es gibt Tage da sind es solche Dinge die mich in dem Moment maßlos überfordern, da sie eben auch Zeit und Muse fordern – und ich habe hier schließlich einen Ruf zu verlieren. 

Oh, schon 10:30 Uhr – ich muss noch die Telefonkonferenz vorbereiten, was soviel heißt wie das ganze noch mal inhaltlich durchzugehen (5min.) und dem Troublemaker das vormittägliche Fernsehprogramm schmackhaft zu machen (geschlagene 25 Min. übe ich mich darin).

What a waste of time!

Ich glaube das gesamte Telefonat über, gab es bei mir kumulierte 5 Minuten lang keine Geräusche im Hintergrund – die restliche Zeit war ich damit beschäftigt, zu versuchen aktiv meinen Beitrag zu leisten und sobald ich nicht am Zuge war die Stummtaste zu aktivieren, um irgendwie den Geräuschpegel auf meiner Seite zu eliminieren. 

Mission Impossible.

Denn immer wieder kam der Troublemaker dazwischen und biss, haute oder zwickte das Mini-Monster, welches auf Kommando los schrie und ich hätte 10 Hände gebraucht um die Situation auch nur im Geringsten unter Kontrolle zu kriegen. So kam es auch, dass ich meine Kollegin im Minutentakt versehentlich in die Warteschleife katapultierte, bei dem Versuch das Handy zwischen Wange und Hals zu klemmen um die Hände freizukriegen. Soviel also zum Thema Home Office mit Kind. Mit einem Kind – je nach Alter und in Ausnahmesituation – ggf. noch machbar. Aber mit 2 Kindern?

Doesn’t fucking work!

Wäre meine Kollegin nicht gleichzeitig eine gute Freundin hätte ich wohl morgen keinen Arbeitsplatz mehr, so aber hat sie das ganze Spektakel mit einer Engelsgeduld über sich ergehen lassen und tatsächlich haben wir es schlussendlich irgendwie hingekriegt das wesentliche zu besprechen. Den Freundschaftsjoker habe ich ehrlicherweise heute voll ausgespielt und mich dazu entschieden den Termin nicht zu verschieben. Denn wer gesteht sich und anderen schon gerne ein, dass es schwierig ist Familie und Job unter einen Hut zu kriegen. Diesen Spagat erfolgreich zu meistern ist mein täglicher Anspruch an mich selbst – Scheitern ausgeschlossen!

Naja, ob ich heute nun gerade als Erfolgserlebnis verzeichnen kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber nachdem ich nun auch irgendwie diesen Tag, gefüllt von 16 Stunden Heul-Kreisch-Schrei-Brüll-Trotz-“Mama-ist-doof” Szenarien hinter mich gebracht habe, meine Lymphdrüsen wieder auf Apfelgröße angeschwollen sind, Wäsche- und Abwaschberge sich immer noch bzw. schon wieder türmen und die To-Do-Liste noch immer genauso aussieht wie heute morgen, denke ich mir – aus den Tiefen meiner (Familien)Bettritze, dass die Moral von der Geschicht doch eigentlich diese ist:

Es ist wichtig (sich selbst) Grenzen zu setzen und auch mal nein zu sagen. Und  mutter muss auch mal mit sich zufrieden sein und sich loben, für das was sie heute wieder alles geschafft hat.

Und von der Perspektive gesehen, gibt es heute durchaus auch Erfolgserlebnisse zu verzeichnen – ich habe es geschafft vor Mittag etwas zu frühstücken und ich habe geduscht – ALLEIN! Zwar ohne Duschgel, denn das hatte Papa Habibi (ausnahmweise-NOT!) “vergessen” aufzufüllen, aber immerhin. Normalerweise reisst der Troublemaker noch an Ort und Stelle seine Klamotten vom Leib, wenn er das Wort Duschen (aus meinem Mund) nur hört.

Somit also – und damit ich mich nicht in Kürze selbst einweise – mein persönlicher Vorsatz, meine Erwartungen an mich selbst runterzuschrauben und mir selbst gut genug zu sein.

Oder aber…

Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin. 

Was meint ihr? 

2 thoughts on ““Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin” – Überforderung im (normalen) Alltagswahnsinn”

  1. Hut ab, dass du trotzdem noch zum Bloggen kommst! Das bleibt bei mir seit Wochen wegen Arbeit, Kindern, Hausaufgaben, Bewerbungen und Sport ziemlich liegen…

    Ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt, finde ihn aber jetzt schon herrlich ehrlich und werde sicher öfter mal vorbei schauen.

    Liebe Grüße aus London,
    Uta

    Liked by 1 person

    1. Ganz lieben Dank für deine netten Worte, liebe Uta! Wie du wohl selbst am besten weißt, würd man sich täglich gerne durch 10 teilen und irgendwas bleibt wohl leider immer auf der Strecke. Bei mir ist es der Sport, was ich sehr bedaure. Grüß mir London, ich habe selbst 7 Jahre in England und u.a. London gelebt und ein Teil meines Herzens dort verloren 😊
      Alles Liebe,
      Denise

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