Blog Deutsch, Mama sein

Was machst du eigentlich den ganzen Tag: Ein Blick durch unser Schlüsselloch 

“Was machst du eigentlich (so) den ganzen Tag?”

Frau Brüllen stellt diese Frage immer am 5. des Monats. Darüber hinaus sind es eher Leute die mich und somit auch meinen Aktionismus nicht so gut kennen, die daran interessiert sind (oder so tun als ob sie es wären), wie ich wohl so meinen Tag verbringe, jetzt, wo ich doch nur von zuhause arbeite. Oder Papa Habibi, der grundsätzlich Bedenken hat, ich könnte zuhause in Langeweile verfallen. Wahrscheinlich sollte ich es also als Besorgnis seinerseits betrachten, dass der Tag für mich auch heute wieder mit einer leeren Milchtüte im Kühlschrank anfing. So bleibe ich schließlich fit.

Aber fangen wir doch mal gaaaanz von vorne an:

ca. 2 Uhr nachts – ich liege mal wieder in einer Pfütze – kurze Inspektion der Quelle. Milchsabber vom Baby? Negativ. Ausgelaufene Brust? Auch nicht. Der Hintern vom Troublemaker ist nun fast in meinem Gesicht und der Geruch lässt keine Zweifel. Das ist Kleinkind-Pipi. Die Pyjamahose trieft, runter damit. Handtuch über die Pfütze und weiterschlafen.

4 Uhr nachts – das Mini-Monster hat Hunger und die Milchbar geht auf, fast wieder eingeschlafen, da beißt das Baby noch einmal mit anschließendem Genuss in die Brustwarze – was für eine wundervolle neue Angewohnheit, jetzt wo die Zähne da sind.

7:30 Uhr. Vier Augen gucken mich an. Die Nacht ist zuende. Nun gut, ist ja eine humane Aufstehzeit, kann mich nicht beklagen. Neue Windel, Pipimachen, Zähne putzen, anziehen mal drei und für den Troublemaker gibt’s noch ne Stulle auf die Hand.

8:30 Uhr. Den Troublemaker zur Tagesmutter bringen.

9:00 Uhr. Wieder zuhause – jetzt erstmal Kaffee –  Kühlschrank auf – hallo, leer Milchtüte! Again! Ich könnt heulen. Also nochmal los. Ich brauch ja eh noch Gläschen. Und Windeln. und Feuchtis. Vorher schnell noch das Bett abziehen und eine Waschmaschine anschmeissen. Woher kommt denn dieser Berg schon wieder?!?  Noch eben ein Blick in die Firmenemail.


09:45 Uhr. Wieder zuhause, die zweite. Jetzt aber endlich Kaffee und Emails bearbeiten. Und soziale Netzwerke checken.

10:00 Uhr. Telefonkonferenz. Das Mini-Monster ratzt noch immer im Maxi-Cosi, Gott sei Dank!

10:15 Uhr. Immer noch Telefonkonferenz – das Mini-Monster reckt sich. Es gilt eine umgehende  Entscheidung zu treffen: ob ich den Maxi Cosi in die Wippfunktion versetze, oder ihn schnell an die Brust hole, in der Hoffnung, dass er sich bis der zu Call zuende ist nochmal ins Delirium saugt. Ich entscheide letzteres. Und es klappt, puuuh!

11:00 Uhr. Und wieder einen Call überstanden. Shit, ich hab immer noch nichts gefrühstückt. Dafür wirds heute besonders lecker, denn ich habe vorhin noch beim Bäcker eines der in meinem Freundes- und Bekanntenkreis heiß begehrten Walnussbrötchen mitgenommen. Da drauf gibt’s Hüttenkäse mit Tomaten – lecker (auch wenn es vielleicht nicht so klingt, aber ich schwör drauf), probiert s mal – das Rezept findet ihr hier! Ganze drei Bissen hab ich auf dem Sofa sitzend geschafft bevor das Mini-Monster lautstark seinen Karottenbrei eingefordert hat.


12:00 Uhr. Der Haushalt ruft. Die Wäsche ist noch in der Maschine und kann nirgendwo hin, weil der Wäscheständer noch voll ist. Das tägliche Drama. Nützt ja nichts, denn es wird nicht besser, also auf in den Wäschekampf.

13:00 Uhr. Firmenemails bearbeiten, parallel der Blick in den Privataccount und Crosscheck der sozialen Medien und des Blog-Traffics. Mein Gastartikel zum Thema Religion bereitet mir Kopfzerbrechen, ich schreibe und lösche und schreibe und lösche. Wo bleibt die Eingebung?

14:00 Uhr. Beim Blick ins Kinderzimmer wird mir schlecht, Tür wieder zu. Kann der Troublemaker selber machen *Wunschdenken einer Mutter. Das Mini-Monster will bespasst werden. Neue Windel wäre wohl auch mal nicht schlecht.


15:00 Uhr. Die Tafel abholen die ich für den Troublemaker in der lokalen Trödelmuttigruppe erworben habe. Passt nicht ins Auto, dieses scheiss Teil. Rückbank umgeklappt und Maxi Cosi auf den Vordersitz. Wie stellt man eigentlich das Airbag aus?

16:00 Uhr. Den Troublemaker von der Tagesmutter abholen, die Tafel findet er cool. Zur Feier des Tages lässt er sogar das Mini-Monster mit seinen geliebten Paw Patrol spielen. Ein Tag den ich mit Herzchen im Kalendar versehen sollte.

17:00 Uhr. Hunger. Zu meiner Riesenfreude fallen mir beim Blick in den Kühlschrank direkt die in Caramel getränkten und mit zahlreichen Nüssen übersähten  Cinnabons ins Auge. Für diese Dinger würde ich bis ans Ende der Welt gehen oder in diesem Fall gehen lassen, denn meine Super-Mega-Geilo-Hammer-Kollegin hat mir 4 Exemplare von ihrem London Wochenende mitgebracht. Ein kurzer Moment voller Indulgence, in dem ich den Geräuschpegel um mich rum komplett ausblende und mich in den Genusshimmel verabschiede.


18 Uhr. Der Troublemaker kriegt sein Brot, was er nicht isst. Das Mini-Monster isst seinen Milchbrei, den er spuckend zur Hälfte auf dem Boden und zur anderen Hälfte auf meiner Hose verteilt.

18:30 Uhr. Hatte ich nicht vorhin aufgeräumt?

19:00 Uhr. Die Stimmung kippt. Das MiniMonster ist müde und möchte in den Schlaf gestillt werden. Der Troublemaker will lieber verstecken spielen. Dreimal “suche” ich den Troublemaker im gleichen Versteck, das Mini-Monster wird immer ungeduldiger. Scheisse, das Bett ist auch noch nicht bezogen.

19:30 Uhr. Das Mini-Monster liegt frisch gewickelt in Andockposition. Nach 2 Minuten Milchfluss meldet sich der Troublemaker vom Klo: “Mama, mach meinen Popo sauber”. “Ich komme gleich.” “DU KOMMST JETZT!”


20:00 Uhr. Papa Habibi kommt gleich. Yes, es ist noch was zu essen übrig von gestern, also aufwärmen statt kochen. Es sind die kleinen Dinge des Lebens.

20:15 Uhr. Das Mini-Monster schreit um sein Leben. Der Troublemaker hat ihm in den Zeh gebissen und findet das Spektakel mal wieder äußerst belustigend. Ich überhaupt nicht und verweise ihn des Schlafzimmers, während ich versuche das Mini-Monster zu beruhigen. Beide heulen und schreien über zwei Oktaven. Ein Hoch auf unsere Nachbarin, die sich bis heute nicht beschwert hat. Die Tür geht auf und Papa Habibi kommt rein.

20:30 Uhr: Papa Habibi und ich sitzen zusammen am Esstisch.

Sichtlich wenig angetan darüber Gleiches wie gestern vorgesetzt zu kriegen, guckt er mich an.

“Sag mal, was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?”

“Ach gar nichts, so wie jeden Tag…”

Und was habt ihr den ganzen Tag so gemacht? Auch wieder nur auf der faulen Haut gelegen und Kaffeekränzchen gehalten, gebts doch zu… 😉

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