Blog Deutsch, Mama sein

Geschwisterliebe und -hiebe im 7. Monat: Über Alltag, Eifersucht und Gelassenheit

Es ist eine Weile her, seit ich zum letzten Mal über unsere Fort- und Rückschritte in unserem Familienleben zu viert berichtet habe. Heute scheint mir der perfekte Tag zu sein, denn wie auch bei den meisten anderen Bloggern hat das Schreiben den herrlichen Nebeneffekt, der Frustbewältigung und hilft entsprechend auch hervorragend um akute Aggressionen zu kanalisieren. Und diese Therapie brauche ich aber gerade mal ganz dringend. Darüber hinaus ist laut Twitter heute der offizielle Tag der Geschwister, also ein weiterer Anlass für eine aktuelle Anekdote zum Thema Geschwisterliebe und -hiebe.

Über den ganz normalen (All)Tag zu viert

Es ist Montag, 15 Uhr und ich wüte immernoch in Pyjama, ungekämmten Haaren und ungeputzten Zähnen durch die Wohnung. Gefrühstückt habe ich vor einer halben Stunde, mal abgesehen von den 5 Tassen Kaffee die ich mir seit 7 Uhr reingepfiffen habe. Wahrscheinlich tigere ich deswegen auf und ab, wie in einem Zoogehege. Stichwort Zoogehege: viel schlimmer kann es im Affenkäfig auch nicht aussehen, als in unserem Wohnzimmer, denn der bisherige Tag mit zwei Kindern zuhause hat auch heute wieder seine Spuren hinterlassen. Die Tagesmutter vom Troublemaker hat heute einen wohlverdienten Urlaubstag, Papa Habibi ist im Büro und anschließend im Fitnesstudio. 

Die Erkenntnis, dass arbeiten im Home Office mit beiden Kindern zu Hause kaum denkbar und Telefonkonferenzen an diesen Tagen für alle Beteiligten absolut unzumutbar sind, habe ich ja schon vor einer Weile gewonnen. Nur interessiert und hindert es natürlich bei der Arbeit niemanden daran, kurzfristig Projekte und Deadlines anzuberaumen. So musste ich also auch heute wieder das ein oder andere Telefonat unterbringen, und wer nicht glaubt, dass innerhalb von 20 Minuten eine komplette Wohnung zerlegt werden kann, darf bei uns gerne mal Mäuschen spielen. 

Begrüßt werden Sie von einem aus voller Kehle schreienden Mini-Monster, das gerade wieder vom Troublemaker an den Haaren gezogen und in den Fuß gebissen wurde, gefolgt von einem Tritt auf die Hand und einem sich tief in die Wange bohrenden Fingernagel. Aber eilen Sie nicht zu schnell zur Hilfe, denn auf dem Boden lauern etliche Stolperfallen, wie zum Beispiel eine angebissene Fleischwurst am Stück, Käsefetzen einer kompletten Packung Gouda, Milchpfützen, Autos, Legosteine, etliche Schnuller, eine total zerfetzte Klopapierrolle und mindestens 20 Feuchttücher. Dazwischen liegt der Staubsauger, der ohnehin schon mit zur Deko gehört, um kontinuierlich aber stets chancenlos gegen das Chaos anzukämpfen. Home sweet home oder aber auch ein kleiner Auszug von meinem ganz normalen (All)Tag.

Über Geschwisterliebe im 7. Monat

Wo fange ich an – also, dass Treten, Hauen und Beißen weiterhin an der Tagesordnung stehen, habt ihr schon der Darstellung meines heutigen Tages entnommen. Dass diese Hiebe aber die Liebe nicht ausschließen, habe ich auch schon in meinem letzten Artikel für mich festgestellt, dennoch sieht man davon (nach außen hin!) fast noch weniger als zuvor und der Troublemaker mutiert mehr denn je von Jekyll zu Hyde. 

Der Vergleich mag krass klingen, aber ich kann es mir nicht anders erklären, wie ein Wesen mit einem so sanften und gutherzigen Gemüt sich binnen Sekunden zu einem (nach außen hin!) derart bösartigen Tyrann verwandelt, der mutwillig Schmerzen zufügen will und sich noch daran erfreut. So ist es inzwischen schon soweit, dass Kissen ins Gesicht gedrückt und Bettdecken über den kompletten Körper des Babys gelegt werden und wenn man den Troublemaker ließe, würde er das Mini-Monster voller Schwung quer übers Bett und am liebsten noch weit darüber hinaus rollen.  

Jegliche Erklärungsversuche wie gefährlich es für das Mini-Monster ist, wenn er keine Luft mehr kriegt und dass er davon ganz doll krank und schlimmstenfalls nie wieder gesund wird, lassen den Troublemaker (nach außen hin!) unberührt. Und je lauter das Mini-Monster (um sein Leben) brüllt, umso lauter lacht der Troublemaker. Und umso lauter er lacht, umso lauter schreie ich. Denn ich bin hilflos, wütend und mit Geduld und Weisheit am Ende. 

Es ist erst ein paar Tage her, dass ich den Beitrag  Eifersucht und Rivalität unter Geschwistern zufällig im Blog von Das gewünschteste Wunschkind entdeckt habe. Das hierin dargelegte Szenario finde ich sehr treffend und unmissverständlich. Wir erwarten von unserem Kind bedingungslos, die Ankunft eines neuen Geschwisterchen zu akzeptieren, wären aber selbst nie bereit dazu, unseren Partner von heute auf morgen mit einer anderen Person zu teilen. Wir würden uns zurückgesetzt und weniger geliebt fühlen und gleiche Gefühle werden zunächst bei dem Erstgeborenen ausgelöst. 

Das Ganze so zu betrachten, macht es vielleicht manchmal für uns Erwachsenen verständlicher nachzuvollziehen, was unser Kind gerade durchlebt. Dennoch ist es unheimlich schwer, in Situationen, wo man das Empfinden hat, dass das ältere Kind seinem Geschwisterchen bewusst Schmerz und Leid zu fügen will, die Fassung zu bewahren und Ruhe und Verständnis aufzubringen. Ich bin ganz ehrlich, in jenen Momenten kreisen meine Gedanken nicht darum, wie schwer er es gerade hat sich an die neuen Umstände zu gewöhnen, sondern darum, ob ich seine 15kg wohl noch durch die Babyklappe gewuchtet kriege. 

Über den Wunsch nach alleiniger Zweisamkeit mit Mama 

Eigentlich ist es offensichtlich, dass der Troublemaker bei allem was er macht nur ein Ziel verfolgt:  Mamas Aufmerksamkeit. Und wenn er mal wieder Bockmist gebaut hat, so wende ich mich in diesem Moment nur ihm zu, auch wenn es durchs Schimpfen ist. Ich weiß, jeder schlaue Ratgeber sagt natürlich, dass ich ihm hier keine Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen sollte, nur kann ich es einfach nicht mit mir ausmachen, ein solches Verhalten ohne jegliche Reaktion und Konsequenzen zu dulden, insbesondere wenn er seinem Bruder oder auch sonst wem Schmerzen oder Schaden zufügt. 

Wenn ich ihn des Zimmers verweise, passiert interessanterweise abwechselnd eines der zwei folgenden Szenarien: Er hebt den Finger gegen mich, begleitet von den Worten “Du bist nicht meine Mama” oder aber er fällt mir in die Arme und winselt nach “Küsschen” und “Kuscheln”. Es ist offensichtlich, dass er sich nach alleiniger und ungeteilter Zweisamkeit mit Mama sehnt. Nur kann ich ihm gerade das einfach nicht geben, zumindest nicht im Ablauf des Alltags.

Und so stecken wir, um bei dem Vergleich vom gewünschtesten Wunschkind zu bleiben, in einer mittelschweren Ehekrise. Eine Ehekrise, die einem Teufelskreis gleich kommt, aus dem ich gerade keinen Weg raus weiß. Denn ich weiß, je mehr ich mich schützend über das Mini-Monster Stelle umso mehr schüre ich diese Eifersucht. Und je mehr er solche “Hyde”-Ausbrüche an den Tag legt, umso wütender, aggressiver und hilfloser werde ich. Und wahrscheinlich sind es genau diese unterschwelligen Aggressionen in mir, die sich in diesem Moment auf ihn übertragen. Und genau deshalb tut es gerade unheimlich gut darüber zu schreiben, um meinen eigenen Emotionen eine Lobby zu verschaffen, in der Hoffnung danach ein wenig entspannter zu sein. Und in der Hoffnung, somit zumindest temporär  den Teufelskreis zu durchbrechen. 

Über mehr (Mama-) Gelassenheit – auch wenn’s schwer fällt

Entspannter sein – eigentlich ist doch genau das das Stichwort! Denn was das Mini-Monster nicht umbringt, macht ihn noch härter. Dann kriegt er halt mal ne Schramme ab, so what! Und schließlich haben schon andere Geschwister haben den großen Bruder oder Schwester überlebt. Und die ganze Zeit über dem Baby zu glucken, ist in the long run sicherlich auch für das Mini-Monster alles andere als förderlich. Darüber hinaus werde ich das Gefühl nicht los, dass sich diese Kleinkind=Täter vs. Baby=Opfer Konstellation nur noch mehr verhärtet, wenn ich nicht endlich mal ein bisschen  anfange zu chillen. Nicht zuletzt mir selbst würd das glaube ich echt mal gut tun. 

Wer mir hierbei mit Rat, Tat und ein paar Supernanny Tricks zur Seite stehen will, ist herzlich willkommen. Überschüssige Portionen Geduld nehme ich ebenfalls gerne entgegen. Ansonsten auch gerne ein paar liebe Worte oder geteiltes Leid.
Gott sei Dank, weiß ich ja, es ist wie immer alles nur eine Phase. Auch wenn mich das dumpfe Gefühl beschleicht, dass ich diese Phase besonders lang “genießen” darf – ich halte euch auf dem Laufenden.

Source: GIPHY.com

Muchos lovos und danke fürs Zuhören.

Eure

De Sa

 

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