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Ein Ostergeschenk fürs (Klein)Kind – über Kleinigkeiten, unsere Gesellschaft und ein kleines bisschen Nächstenliebe

Ostern steht vor der Tür und hier kommt die große Preisfrage:

Was kriegen eure Kinder zu Ostern?

Ein Geschenk oder einfach “nur” viele bunte Schokoeier – oder vielleicht sogar beides?

Durchaus eine interessante Frage, mit umso interessanteren Antworten, die derzeit anscheinend nicht nur mich, sondern die gesamte Mamasphäre beschäftigt. So habe ich zum Teil die hitzigsten Diskussionen in verschiedenen Elternforen und Facebook  Gruppen über die letzten Tage mitverfolgt und was soll ich sagen: I am totally lost!

Bei uns zuhause gab es zu Ostern immer ein Körbchen mit bunten Schokoeiern und eine Kleinigkeit dazu. Was ich mit Kleinigkeit meine? Auch das ist eine gute Frage und ich glaube auch hierzu gibt es heutzutage viiiiele verschiedene Antworten.

In meiner Kindheit hieß Kleinigkeit zum Beispiel eine neue Bibi Blocksberg Kassette, die ich vielleicht heutzutage in etwa mit einem kleinen Spielzeugauto gleichsetzen würde. Aber ich denke diese Definition ist heute mehr als überholt. Denn in unserer Gesellschaft haben Kleinigkeiten ein anderes Format und Erwartungen (an uns Eltern) eine andere Dimension angenommen, denen wir versuchen gerecht zu werden, um unsere Kinder nicht zu enttäuschen. Wer um alles Welt schenkt also “nur” ein Spielzeugauto?

Der Troublemaker ist nun mehr schon seit  Wochen der Überzeugung, dass der Osterhase ihm die gesamte Crew von Cars, Paw Patrol, Super Wings und Feuerwehrmann Sam bringt, nicht zu vergessen die dazugehörigen Wohnlichkeiten, Parkgaragen oder Feuerwehrwachen. Warum er auf die Idee kommt, dass der Osterhase mit einem Sack voller Geschenke statt einem Körbchen voll Eier angehoppelt kommt? Ganz einfach, weil der Osterhase der Freund vom Weihnachtsmann ist – und –  der hat schließlich (viel zu!) viele Geschenke gebracht. Ganz normale Kinderlogik! Tja, und meine ehrenvolle Aufgabe ist es nun dieses Weltbild ein klein wenig geradezurücken – leichter gesagt als getan!

Viele Geschenke gleich hohe Erwartungen

Und nun haben wir den Salat. Denn wenn ich mal ehrlich zu mir selbst bin, ist es wohl nicht nur die kindliche Annahme, dass der Osterhase und der Weihnachtsmann best Buddies sind, die die Messlatte der Erwartungen so hoch gesteckt hat, sondern viel mehr die Erinnerung an die vielen Geschenke zu Weihnachten, die sich wie es scheint ganz oben ins Gedächtnis des Troublemakers eingebrannt hat.

Tja, und da die Mutti ja trotz allem nicht dazu gelernt hat, und sich von Foren,  Meinungen und ständig wiederkehrenden MyToys Werbungen auf der Facebook Seite mal wieder so richtig schön hat manipulieren lassen, stürzt sie sich nun morgen nochmal ins Getümmel. Um eine Kleinigkeit – nach eigener Definition – zu besorgen, so wie es eigentlich auch von Anfang an geplant war. Nur kam die Erkenntnis erst spät – in Folge des Blickes heute morgen in das Kinderzimmer.

Ein Blick ins Chaoszimmer sollte heute zum Wake Up Call werden

Das Chaos an sich ist natürlich nichts Ungewöhnliches, nur hatte ich gerade eben das XXL Paket von My Toys entgegen genommen, welches das eigentliche Ostergeschenk beinhaltetet. Und da kam doch plötzlich (und endlich!) der Aha-Moment:

Die Mengen an Spielzeug die dieses Chaos veranstalten sind doch nicht mehr normal. Naja, normal ist auch wieder so ne Definitionssache.  Sagen wir also lieber vertretbar. Und angemessen – angemessen das ist immer gut. Mal im Ernst, auf magische Art und Weise scheinen sich die Spielsachen doch innerhalb der Kisten, Regale und Schränke regelrecht selbst zu vermehren und an das Aussortieren denken wir oft gar nicht. Oder wollen es vielleicht gar nicht. Denn was sollen denn die anderen denken, wenn das Kinderzimmer so spärlich ausgestattet ist?

Das Kinderzimmer als Statussymbol

Witzigerweise sind mit “den anderen” kaum die Kinder gemeint, denn was sollten die schon denken? Es ist ihnen doch eigentlich völlig egal, wie die Zimmer ausgestattet sind. Mit ihrer Kreativität (die ich gerne hätte!) würden sie im Zweifel noch jeden Gegenstand zu einem Spielzeug umfunktionieren.

Nein, mit “den anderen” sind diejenigen (Muttis) gemeint, die einen verstohlenen Blick in alle Kinderzimmer werfen, um sich dann ein Urteil darüber zu machen, dass die anderen Kinder viel zu verwöhnt sind, aber gleichzeitig das Gefühl haben, sich dem heutigen Standard, der sich über “Masse” statt “Kleinigkeit” definiert anpassen zu müssen, damit es dem Kind auch bloß an nichts fehlt. 

Kinder brauchen nichts Materielles, sondern nur unsere Liebe um glücklich zu sein – wann kapieren wir (Eltern) das eigentlich endlich?

Und so werden die Spielzeugkisten immer voller, unsere Kinder fordernder und gleichzeitig frustrierter. Denn es ist unmöglich den ganzen Spielzeugkram Tag für Tag auseinander zu halten, die Realität eines Kinderzimmers seht ihr ja auf dem Bild und ich bezweifle, dass das nur bei und so ist. Und somit werden die Bestandteile sämtlicher Spiele, Puzzles, Werkzeugkästen und Parkgaragen wild durcheinander gemengt, so dass das  (Klein)Kind überhaupt keine Ahnung mehr hat, was wie wo denn eigentlich irgendwie zusammen gehört. Dann kommt der Frust. Und dann die Wut. Die Sachen fliegen quer durchs Zimmer, die Hälfte geht beim Aufprall kaputt. Auf die andere Hälfte treten wir versehentlich drauf.

Aber macht ja nix, denn der Geburtstag ist ja bald – dann gibt’s halt was neues.

Unsere (Konsum)Gesellschaft ist doch krank! Ein bisschen mehr (Nächsten)Liebe, bitte!

Und die Moralkeule des eigentlichen Sinnes von Ostern, hole ich jetzt besser erst gar nicht raus. Wäre wohl auch wenig authentisch.

Nichtsdestotrotz gelobe ich Besserung und habe heute Folgendes entschieden.

1. Dass das XXL Paket vorerst in den Keller wandert

2. Dass das Kinderzimmer jetzt und gleich einem ausgiebigem Frühjahrsputz inkl. Entsorgung für einen guten Zweck untergeht

3. Dass ich mich zukünftig nicht von Muttis, Verwandten, Foren oder irgendwelchen Internet-Algorithmen beeinflussen lasse. Stattdessen werde ich mich von nun an und bis auf  Lebzeit auf mein eigenes Verständnis von “angemessen” und das berühmt berüchtigte Bauchgefühl verlassen – wer wolle, möge mich jetzt verurteilen oder für immer schweigen! AMEN!


Auf das Leuchten in den Kinderaugen möchte ich auch nicht verzichten,  nur sollten wir verstehen, dass dieses nach nur kurzer Zeit wieder erlischt. Und nachhaltig sind Kinder nicht glücklich, weil sie mit Geschenken überhäuft werden, sondern mit Liebe, Küsschen, Kuscheleinheiten.

Nun kam also doch noch ein bisschen Moralkeule zum Schluss, aber ein bisschen darf es an einem Tag wie heute ja schließlich doch noch um Nächstenliebe gehen, oder was meint ihr 😉

Ich wünsche mir und euch also muchos lovos für alle, weniger Überfluss und – last but not least – schöne und besinnliche Tage im Kreise der Familie!

Eure De Sa

4 thoughts on “Ein Ostergeschenk fürs (Klein)Kind – über Kleinigkeiten, unsere Gesellschaft und ein kleines bisschen Nächstenliebe”

  1. HalliHallo,

    ich finde diese Betrachtungsweise zu eindimensional.
    Ich schenke gerne. Für meine Kinder zu kaufen und sie zu beschenken macht mir weit mehr Freude als für mich selbst zu shoppen. Und es gibt so viele schöne und auch sinnvolle und lehrreiche Dinge, die ich gerne kaufe. Ja manches stellt sich hinterher als Fehlkauf heraus, weil das Kind de facto nie damit spielt. Nun gut, wir haben ja inzwischen ein zweites Kind produziert, vielleicht nutzt dieses es ja dann. Ja das mit der Erwartungshaltung mag stimmen. Bisher hab ich aber noch nicht erlebt, dass sie mehr gefordert hätte. Klar sie will immer alles. Es gibt nix, was sie nicht will. Aber wenn man erklärt, dass es eben nicht alles geben kann, versteht sie es.

    Oder auch Reizüberflutung. Bei Kind 2 ist das aktuell wohl so, das ist gerade erst 1 und hat die MASSEN Spielzeug von Kind 1 zur Verfügung und trotzdem bekommt es ja auch immer noch was geschenkt. Und dennoch: Es findet aus dem Überangebot durchaus Lieblingssachen und lässt andere links liegen. Diese Kompetenz haben auch die Kleinsten schon.

    Wir haben weit weit mehr Spielzeug als auf deinem Bild. Das Kinderzimmer ist hier der größte Raum im Haus und es ist randvoll. Und zusätzlich sind im Wohnzimmer 2 Regale und 4 kleine Kisten voll. Und nein, das hat nix mit anderen Müttern zu tun – die sind nämlich nie hier. Und nein, ich möchte davon auch nix weggeben, denn all diese Sachen haben eine Berechtigung. Wir haben ungelogen hunderte Kinderbücher. Ich LIEBE Kinderbücher. Man kann nie genug Bücher haben. Man kann die Freude am Lesen nicht früh genug lernen. Wir haben über 50 Gesellschaftsspiele. Und da WIR die Bücher vorlesen und WIR die Spiele mit den Kindern spielen, führt sich auch dein Argument ad absurdum, dass Geschenke Zeit mit Kindern oder Aufmerksamkeit für Kinder ersetzen soll. Denn die meisten Dinge, die ich schenke, sind ja Dinge, die eine Interaktion mit uns erfordern. Bücher die ich vorlese, Spiele die ich mitspiele, Puzzles, die wir gemeinsam machen… Ich kann da nichts falsches dran sehen.

    Und die Dinge, die die Große für sich allein hat, nutzt sie auch eigentlich fast alle. Sie muss jedes Wochenende morgens eine Stunde allein im Zimmer spielen, den Rest des Tages verbingen wir zusammen. Und mal spielt sie da mit Geomag, mal mit dem Plamobilkrankenhaus, mal mit dem Playmobil Reiterhof, mal mit den Bügelperlen und mal prickelt sie. Und machnmal sitzt sie mit dem TING-Stift und einem Ting-Buch da. Und diese Auswahl möchte ich ihr schon gerne lassen.

    Und wieder andere Spielzeuge sind für draußen. Wieder andere sind eigentlich nur in Benutzung wenn sie Besuch hat (der Kaufladen, die Kinderküche, die Verkleidungskiste) – dann aber auch mit Begeisterung und rege.

    Ja wir haben Massen an Kram. Wir könnten 2 komplette KiTas ausstatten. Aber alles hat seine Berechtigung für andere Situationen. Und alles ist irgendwie auch mal im Gebrauch. Manches eher im Sommer andere sim Winter, manches allein, manches mit uns und manches mit Freundinnen. Ich glaube nicht an die These, dass viele Geschenke ein Kind verderben. Und erst recht nicht, dass sie ein Indiz für zu wenig Zeit und Liebe für das Kind sind. Aber gerade WEIL ich regelmäßig mit meinem Kind spiele und lese, hab ich dabei auch gern selbst Abwechslung und lese und spiele nicht immer das selbe… Und dann mögen der Papa und ich auch noch ganz grundsätzlich verschiedene Bücher und Spiele – so kommt dann eben so eine Menge zusammen…

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    1. Liebe Natalie,
      Ganz vielen Dank für deine Rückmeldung. Wahrscheinlich geht jedes Kind anders damit um, bzw. ist es bei uns vielleicht noch zu früh zu erwarten, dass immer verantwortungsvoll mit allen Dingen umgegangen wird und die Tatsache, dass dann wahllos mit den Sachen durch die Gegend geschmissen wird, macht mich einfach nur wütend und viele Dinge werden auch einfach nicht bespielt. Daher halte ich es für besser diese wegzugeben bzw. im Keller zu lagern bis Nummer 2 so weit ist und dann ist auch mehr Platz zum Spielen, mit den eigentlichen Lieblingssachen, denn an Platz mangelt es in unserer 3 Zimmer Wohnung leider auch 😬 ich gebe dir recht, dass viele Dinge sich super dazu eignen, quality time mit dem Kleinen zu verbringen, aber ich finde es einfach schlimm wie unsere Gesellschaft einfach immer mehr von Konsum gesteuert wird und man in so einer Wegwerfgeseschaft lebt, bezieht sich ja nicht nur aufs Kinderzimmer. Ich kenne auch andere Kinder, die massig Spielzeug haben, die aber selbst immer großen Wert darauf legen, dass alles immer ordentlich an seinem Platz liegt, so dass kaum etwas kaputt geht – vielleicht kommen wir ja da auch mal hin 😊

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  2. Schön geschrieben, Denise. Ich sehe es wie du. Ostern soll bei uns kein zweites Weihnachten oder kein zweiter Geburtstag sein. Ich finde es total schön, wenn sich Kinder auch noch über kleine Dinge freuen können und größere Geschenke zu schätzen wissen. Diese sollen etwas Besonderes bleiben und nicht zur Selbstverständlichkeit werden.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass Theo es uns echt leicht macht. Letztens sind wir zu Ikea gefahren und vorher meinte ich, die Kinder könnten sich dann ja auch noch ein Kuscheltier aussuchen oder ein Buch und er meinte nur, warum, wir hätten doch schon Kuscheltiere und Bücher. Und damit hat er ja auch recht…. Er ist eigentlich derjenige, der mich immer wieder daran erinnert, den Berg an Spielzeug nicht zu hoch werden zu lassen. Ich sortiere regelmäßig aus und verkaufe bei EBAY, verschenke, schmeiße weg oder stelle mich auf den Flohmarkt.
    Ich finde es auch erschreckend, wie leicht man sich manchmal von der Werbung leiten lässt. Ich versuche, möglichst sinnvolle Geschenke auszusuchen, die beide Kinder nutzen können, die lange halten oder die sich wirklich gewünscht werden. Gelingen tut mir das aber natürlich auch nicht immer. Ein Beispiel – dieser magische Sand, mit dem man drinnen spielen kann, hat es nicht zu uns geschafft 🙈 die beiden können raus in die Sandkiste gehen 😊
    Zu Ostern gibt es für beide ein Schleichtier sowie für Helena ein Buch und für Theo eine Kleinigkeit von seinem derzeitigen Superhelden Feuerwehrmann Sam. Ansonsten selbst gefärbte Eier und ein paar aus Schokolade. Ich bin mir sicher, dass es nicht zu enttäuschten Gesichtern kommen wird und freue mich schon auf morgen 🐰liebe Grüße

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