Blog Deutsch, Mama sein

Mehrsprachig erziehen – so “funktioniert” das bei uns 

“Wow, that’s a big egg surprise”.

Ostern war für mich sowas wie ein Aha-Erlebnis, wo mir klar wurde, dass ich mich nun langsam oder vielleicht doch eher dringlich mal mit unserem (Drei-)Sprachen-Dilemma auseinander setzen sollte. Bisher hat der Troublemaker sich ja fast ausschließlich unserer wunderschönen (das liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters) deutschen Sprache bedient, auf Arabisch hingegen hat er relativ wenig Bock (wer kann es ihm verübeln😜). Dass er nun aber seine Freude über das XXL Oster-Überraschungs-Ei ausgerechnet auf Englisch zum Ausdruck brachte, überraschte uns doch schon sehr.

Seit Ostern sind nun ein paar Monate vergangen und meine Recherchen verliefen   eher   schleppend, daher hat sich dieser Beitrag auch viel länger herausgezogen als geplant. Forenbeiträge zu diesem Thema gibt’s en masse, wissenschaftliche Erkenntnisse hingehen hat Google relativ wenig mit mir teilen wollen. Wenn man meinem Kinderarzt Glauben schenken wollte, sind drei Sprachen eine absolute Überforderung des Kindes und auch zwei Sprachen  sollten nur sein “wenn es den unbedingt sein muss.” Währenddessen tritt einem in Ägypten  mittlerweile fast jedes Grundschulkind entgegen und bietet einem an entweder auf “Arabisch, englisch und deutsch oder Französisch zu sprechen. Manchmal kommt es mir vor als sei Deutschland hier das Entwicklungsland. In einem allerdings hat mein Kinderarzt mir geholfen, nämlich mich darin zu bestätigen, dass es doch eigentlich wie so oft viel mehr auf das eigene Gefühl und Empfinden für “Richtigkeit” ankommt, statt in Büchern oder Medien nach Antworten zu suchen. Und somit ist meine Recherche ad Acta gelegt und ich ziehe mein eigenes Resumé.

Meines Erachtens nach gibt es drei wesentliche Punkte, die bei der Vermittlung und Anwendung von mehreren Sprachen eine wichtige Rolle spielen, um die Fähigkeit des Kindes zu fordern und fördern. Achtung: eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, denn jedes Kind tickt (Gott sei Dank) anders, aber diese Aspekte helfen sicherlich eine erfolgreiche Entwicklung zumindest mal zu begünstigen:

1. What is in for me – brauche ich das oder kann das weg?

“Don’t underestimate your ‘Kleinkind'”, denn es lernt schon früh Prioritäten zu setzen und für sich selbst zu entscheiden, worin es einen Nutzen sieht oder nicht. So überrascht es uns im Alltag immer wieder mit all den Dingen, die ihm in Erinnerung geblieben sind, an die wir uns vielleicht selbst nicht mehr erinnern können. 

Und genau in dieser Erkenntnis liegt vermutlich nicht zuletzt die Antwort auf meine erstaunte Feststellung, dass der Troublemaker sehr wohl bereits über Englischkenntnisse verfügt. 

Denn sich in unsere bisherigen (englischen) Konversationen einzuklinken, ergab für ihn bisher  relativ wenig  Mehrwert, schliesslich springen Mama und Papa ja auch, wenn er etwas in seiner “normalen (deutschen) Sprache” äußert. Sicherlich hat dies auch zur Aneignung des Wortschatzes beigetragen, aber der wahre Übeltäter liegt ganz eindeutig woanders: die (englische) Medienbeschallung. Hierbei gibt es einen  ganz gravierenden Mehrwert,  nämlich zu  verstehen was denn da gerade bei den “Paw Patrol” und “Fireman Sam” eigentlich vor sich geht. 

Was für ein Kleinkind anscheinend selbstverständlich ist, bestimmt auch das Konzept meiner Kollegen in der Personalentwicklung: nämlich dass der sog. “point of need” Lernprozess am effizientesten ist, was soviel heisst, wie dass das Erlernte unmittelbar Relevanz haben sollte und somit direkt abgerufen werden kann. Etwas “auf Halde” zu lernen hingegen bringt relativ wenig hinsichtlich der Produktivität. Tja, manchmal ist der normale (Kleinkind)Menschenverstand uns wirklich um einiges voraus, oder?

2. Die persönliche Bindung zur Sprache 

Das gilt für alle Beteiligten. Authentisch und natürlich etwas rüber bringen -> das Kind merkt ob wir uns wohlfühlen oder uns ausserhalb unserer Komfortzone einen abstramplen oder wir die Sprache wirklich fühlen und leben. Kinder lieben Routine und gleiche Abläufe, daher ist es wichtig, immer in der gleichen Sprachen mit dem Kind zu versprechen, um es nicht zu verunsichern. So lernt es auch direkt eine Assoziation zur Sprache herzuleiten. 

Papa Habibi und ich sprechen zwar untereinander Englisch, aber die direkte Ansprache des Troublemakers läuft – lediglich und kosequent – in unserer jeweiligen Muttersprache. Logischerweise ist einem die eigene Muttersprache immer am Vertrautesten und durch den verhältnismäßig sicheren Umgang mit Vokabular und Grammatik, strahlt man natürlich auch ein ganz anderes Selbstvertrauen und darüber hinaus auch eine Selbstverständlichkeit aus. 

Dies wiederum überträgt sich auf das Kind, so wie es eben auch bei allem anderen was man tut der Fall ist. Und auch das Umfeld bleibt dabei nicht unbeobachtet. Das Kind observiert und verinnerlicht genauestens, wie die anderen auf die “Papa-” und “Mama”-Sprache reagieren und entscheidet auch hier wieder inwieweit es relevant ist, die jeweilige Sprache zu lernen. Wenn der Gegenüber auch die normale (deutsche) Sprache beherrscht, sinkt die Notwendigkeit auf der Mehrwertskala wieder, wenn allerdings noch mehr Leute, und schlimmstenfalls sogar andere Kinder die (arabische) “Papa”-Sprache beherrschen, ist die vielleicht doch nicht so unwichtig. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es umso schwieriger ist eine Sprache zu vermitteln, wenn man in einem anderen Land lebt, was u.a. auch erklärt  weshalb Arabisch für den Troublemaker aktuell noch verhältnismäßig wenig Platz einnimmt. Noch schwieriger und in den meisten Fällen wohl zum Scheitern verurteilt ist es, wenn man dem Kind eine andere Sprache als die eigene Muttersprache  versucht beizubringen, zumindest dann wenn diese Sprache auch noch von jener abweicht mit der das Kind im Alltag konfrontiert ist. Ist sicher auch kein absolutes Ding der Unmöglichkeit aber das stelle ich mir enorm schwierig vor. In jeglicher Hinsicht ist auf jeden Fall viel Ausdauer und Disziplin erforderlich – und Spaß!

3. Der Fun-Faktor – wenn es keinen Spaß macht, mach ich halt was anderes 

Der Spaß-Faktor sollte hier auf jeden Fall nicht unterschätzt werden, denn so wie dieser generell das Interesse am Lernen begünstigt, trifft dieses natürlich ebenfalls zu, wenn es ganz konkret um das Erlernen von Sprachen geht. Das ganze sollte also irgendwie spielerisch erfolgen. Und nichts erzwingen! Ich weiß, das sagt sich leicht, denn jeder möchte doch (zumindest insgeheim) dass die eigene Muttersprache auch die “Hauptsprache” des   Kindes wird.   Und für Papa Habibi ist das manchmal gar nicht so leicht, wenn der Troublemaker ihm konsequent alle seine (arabischen) Fragen auf deutsch beantwortet. Hier einen schmalen Grat zu finden, zwischen beharrlich weiter probieren aber das Kind nicht  unter Druck setzen ist ebenfalls leichter gesagt als getan. 

Auch hier sollte im Vordergund stehen, gezielt die Interessen des Kindes zu fördern, genauso wie wir es ja auch in anderen Bereichen tun (oder zumindest tun sollten), denn wenn das Kind Spaß am Fußball spielen hat, melden wir es ja auch nicht beim Handball an. Und was heute noch “yellow”, “green” and “blue” ist, mag morgen schon in einer ganz anderen (arabischen) Farbenpracht erstrahlen. Die Interessen bei Kleinkindern sind ja doch oftmals recht kurzlebig, also nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn das Kind (noch) nicht so will wie du 🙃

Ich werde nun mal wieder in unsere d-engl-abische Welt abtauchen und würde mich sehr freuen mehr über eure Sprachkonstillationen zu erfahren und wie ihr damit umgeht. Vielleicht habt ihr ja noch ein paar “pearls of wisdom” die ihr mit mir und anderen teilen mögt?

Ich freu mich auf euer Feedback, schicke euch viele hugs and kisses und natürlich wie immer muchos lovos. 

Bis bald, 

De Sa

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