Blog Deutsch, Mama sein

Stillen für das Wohl des Kindes – und was ist mit dem Wohl der Mama?

Immer wieder gibt es Debatten und Unstimmigkeiten rund um das Thema Stillen – laut WHO sollte ein Baby die ersten 6 Monate voll gestillt werden. In Deutschland ist diese Hypothese weitestgehend zu einer gesellschaftlichen Norm konvertiert worden. In Folge dessen befinden sich wohl die meisten Mütter im stetigen Gewissenskonflikt und zudem in Rechtfertigungsnot wenn sie diesen Erwartungen nicht gerecht werden. Dies ist natürlich in erster Linie aufreibend für jene Frauen, die sich vielleicht nicht bewusst gegen das Stillen entschieden haben, denen aber vielleicht von Mutter Natur dieses Privileg verwährt geblieben ist.

Ich selbst habe eine klare Meinung zu dem Thema: Jede Mama hat diese Entscheidung für sich ganz alleine zu treffen und ausser ihr selbst gehen diese Entscheidung und die Gründe dafür niemanden etwas an. Ich selbst bin zwar ein Befürworter des Stillens und habe mich bewusst dafür entschieden, dennoch  bin ich gleichermaßen davon überzeugt, dass auch die industriell hergestellten Alternativen nicht weniger gut sind, insbesondere in einem Land wie unserem, wo eine Vielzahl an Kontrollen und Regularien die Vermarktung von gesundheitsschädigenden Produkten wohl gar nicht erst zulassen würden. In diesem Glauben, dass das Baby sowohl als auch gut versorgt ist, möchte ich den Fokus gerne von “was ist das beste für das Baby” auf “was ist das beste für die Mama” rücken und euch meine Zweifach-(Still)-Mama-Erfahrung schildern.

Aller Anfang ist schwer: Stillen – wie geht das?

Diese Frage habe ich mir eigentlich nie gestellt und habe mich im Vorfeld auch weder mit Stillen, noch mit anderen post-geburtsrelevanten Dingen auseinander gesetzt. Ich bin in dieser Hinsicht sehr pragmatisch und simpel gestrickt und denke mir, dass Frauen schon seit hunderten von Jahren Kinder gebären und ernähren, also wird das schon alles so seinen natürlichen Weg gehen. Und so war es dann auch. Ich habe in einem baby- und stillfreundlichen Krankenhaus entbunden, was bedeutet, dass das Baby rund um die Uhr mit bei der Mama ist, und die Mutter-Kind-Bindung durch das Stillen sowie die stetige Nähe zueinander direkt gefördert werden soll. Die Krankenschwester – oder wie ich sie nannte, “der Feldwebel”, zitierte mich über 3 Tage hin  weg alle 3 Stunden ins Stillzimmer um das richtige “Anlegen” (ein Wort, dass mir bis zu diesem Zeitpunkt ebenso fremd war) zu üben. Darüber hinaus wurden Trinkdauer und Gewicht vor und nach dem Stillen genauestens protokolliert. Zu dem Zeitpunkt konnte ich überhaupt nicht verstehen warum mir vorher jeder gesagt hatte, ich solle so lange wie möglich im Krankenhaus bleiben, denn malträtiert von diesem Feldwebel war ich binnen kürzester Zeit schon am Ende meiner Kräfte (so dachte ich zumindest).  Dennoch hätte ich mich auch nie getraut nicht genauestens den Anweisungen zu folgen, und man ist ja beim ersten Kind doch recht unbeholfen, ich zumindest war es.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich bei der Entlassung dann sehr gut vorbereitet für die zukünftige (Still)Zeit und führte das ganze Prozedere dann – wohl gemerkt auf eine sehr viel entspanntere Art und Weise – fort. Der Feldwebel und wo möglich jede andere Hebamme werden sich vielleicht die Haare raufen, wenn sie das hören:

 Bei mir wird die Milchbar geöffnet, wann immer Baby möchte – ohne Einhaltung von regelmäßigen Abständen oder festen Trinkzeiten – ganz ungezwungen.

 Ich weiss, dass es heisst, dass zu häufiges Stillen dazu führen kann, dass die Kleinen nicht genug von der fett-und nährstoffhaltigeren Milch bekommen, die erst nach ein paar Minuten Stillen produziert wird, aber ganz ehrlich, ich denke, so lange man eine gesunde Gewichtszunahme beobachten kann, muss man nicht ein Problem machen, wo es keins gibt. Ich bewundere jede Frau die die Disziplin und das Durchhaltevermögen aufbringt, ein quengelndes Baby für eine Stunde zu schuckeln, tragen oder sonst irgendwie zu bespaßen nur um die Zeit zu überbrücken – insbesondere in der Nacht stelle ich mir das besonders spaßig vor. Kann schon sein das Kritiker sagen, ich mache es mir zu leicht  – stimmt! Denn Stress habe ich schon genug. Darüber hinaus glaube ich das auch genau dieser selbst- oder von aussengemachte Stressfaktor einer der Gründe ist, weswegen viele Mütter das Stillen sehr schnell aufgeben oder es vielleicht gar nicht erst probieren.

Was darf ich/darf ich nicht essen in der Stillzeit?

Gute Frage, denn hier hat hat sich einiges getan. Bei der Entlassung nach der 1. Geburt hat der Feldwebel mir eine lange Liste “verbotener” oder nur mit sehr viel Vorsicht zu genießender Lebensmittel mitgegeben und somit setzte sich also die Askese jeglicher Genussmittel  und Leckereien weiter fort.  Drei Jahre später hingegen heißt es, alle Lebensmittel seien erlaubt, wichtig sei lediglich die ausgewogene Ernährung. Nun gut, mir soll’s recht sein. Dennoch bemerke ich dass das Mini-Monster schon auf das ein oder andere reagiert und sich bspw. nach Milch mit Brokkolinote vor Schmerzen nur so krümmt. Man sollte sich also vor allem auch bewusst ernähren um zu sehen, was Baby gut oder eher nicht so gut verträgt, unabhängig von irgendwelchen Listen.

Stillen und die Öffentlichkeit!

Ja, das kann mitunter spannend sein. Hierbei geht es mir nicht nur um die kontroversen  Ansichten bezüglich des öffentlichen Stillens. Dazu vertrete ich auch eine ganz klare (persönliche) Meinung und zwar finde ich es absolut in Ordnung in jeglicher Örtlichkeit zu stillen, dennoch meine ich, ist ein gewisser Respekt des Umfelds durchaus angebracht und man sollte schlicht weg ein Tuch darüber legen – so ist es nach außen hin sogar nicht mal offensichtlich dass man stillt. Ich halte nichts davon überall komplett blank zu ziehen und öffentliche Brelfies als Protestinitiative zu posten, dafür ist ehrlicherweise mein eigenes Schamgefühl viel zu groß, aber auch das muss jeder selber wissen.

Wenn man unterwegs ist, ist Stillen das Praktischste was es gibt. Man hat die Babynahrung zu jeder Zeit an jedem Ort fertig verfügbar. 

Was man nur bedenken muss – und so organisiert bin ich leider bis heute nicht – ist die richtige Kleidung zu wählen. Für Stillmode war ich immer zu geizig aber Trägertops tun s meiner Ansicht nach genauso gut. Desweiteren rate ich zu einer dunklen Kleidungsauswahl, dazu vielleicht einen Schal oder Tusch als  praktisch kaschierendes Accessoire dabei zu haben, denn was einem vorher auch keiner sagt, ist dass sobald das Baby (manchmal sogar nicht mal das eigene) schreit, gibt s den Milcheinschuss und es wird nass im Brustbereich. Stilleinlagen habe ich teilweise genutzt, aber z.T. zeichneten sich diese unter dem Oberteil ab oder mein Chaos-ich hat sie wieder mal vergessen. Aus dem Grund ist der Schal ein Dauerbestandteil meiner Wickeltasche.

Und was passiert eigentlich mit meinem Körper?

On the bright side, bei mir war die Gebärmutter nach beiden Geburten in Rekordgeschwindigkeit zurückgebildet und somit auch der Bauch wieder flach, das Stillen hat hier sicherlich seinen Teil zu beigetragen, darüber hinaus habe ich in dieser Hinsicht  sicherlich gute Gene erwischt. Über die üppigen Brüste freut sich der Mann natürlich sehr, nur leider sehen diese spätestens mit Ende der Stillzeit nicht mehr ganz so prall aus und auch die Brustwarzen sind tutti kompletti außer Form genuckelt. Da verließen sie ihn dann aber auch schon. Jedes Mal beim staubsaugen muss ich das Gerät nach ein paar Sekunden ausstellen und kurz im Spiegel gucken ob ich überhaupt noch Haare auf dem Kopf habe. Was sich da an Haarbüscheln  in den Teppichen sammelt,  ist schon beängstigend. Wenn Baby über einen längeren Zeitraum nicht trinkt, beginnt der Körper dennoch mit der Milchproduktion, weil die innere Uhr ein Signal sendet, dass es wieder so weit ist. Die Brust wird schwer, hart, knubbelig und heiß – manchmal hilft da nur ausstreichen und das hasse ich wie die Pest. Oder abpumpen und das hasse ich noch mehr, denn wenn ich mich bisher nicht wie ne Milchkuh gefühlt habe dann spätestens jetzt. Guck bloß dass dich dein Mann nicht so sieht – ich könnt mir nichts abtörnenderes vorstellen.


Mein Fazit – Ich würde es immer wieder tun!

Und zwar nicht weil ich so sehr, von den gesundheitlichen Argumenten überzeugt bin, denn dass meine Kinder durch das Stillen robuster und weniger krank als andere Nicht-Still-Kinder gewesen sind, kann ich nicht mit reinem Gewissen behaupten. Aber wie schon eingangs erwähnt, bin ich ein Freund von simplen, pragmtischen Methoden und als solche hat sich das Stillen für mich bewährt. Klar, kann so nur ich ihn nachts versorgen und nicht über einen längeren Zeitraum örtlich von ihm getrennt sein, aber wenn die so klein sind, kann man sie doch eh fast überall hin mitnehmen und was die nächtliche Versorgung angeht, heisst es “Mund auf, Brust rein” und weiter schlafen – find ich persönlich ziemlich cool. Und so egoistisch wie die Mutti nun mal ist, freut sie sich auch insgeheim über die Sonderstellung, die sie dem Kleinen gegenüber so schon ab Geburt einnimmt, und geniesst einfach diese Nähe, die auf diese Art ja kein zweiter zu spüren bekommt.

Also Muttis, mein Rat wäre es zumindest mal auszuprobieren, aber wenn ihr euch mehr schlecht als recht dabei fühlt, macht das was ihr persönlich für richtig haltet, denn weder ein wissenschaftliches noch ein gesellschaftliches  richtig oder falsch finde ich an dieser Stelle maßgebend. Für das Wohl des Kindes ist so oder so gesorgt, also darf es auch ausnahmsweise mal um das eigene (Mama-)Wohl gehen, oder?!

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