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KiTa Beiträge: Müssen Familien sich alles gefallen lassen? Teil 2: Die Unterschriftenaktion

Heute war es nun also endlich soweit. Unsere Bürgerinitiative nimmt Formen an und es wird Zeit nicht nur verbal, sondern auch mit Taten aktiv zu werden – für mich sowie den Rest der BürgerInnen in unserem kleinen Städtchen.

Nachdem die neue Satzung der KiTa Beiträge kommuniziert wurde, war die Empörung groß – allerdings nicht nur bei denen die unmittelbar von der Erhöhung betroffen sind. Mein Aufruf in einer der lokalen Facebook Gruppe hat einen gehörigen Shitstorm losgetreten – nun gut, damit muss man natürlich bei öffentlich geplanten und kommunizierten Initiativen rechnen, auch wenn man sich manchmal wünschen würde, dass nicht nur Hunde Maulkörbe tragen müssten.

Das Empfinden für das was fair und angemessen ist, ist eben meist doch sehr subjektiv. Das haben wohl auch schon unsere Politiker gemerkt, als sie sich zwar alle einig darüber waren, dass die Defizite in der Gemeindekasse von den sog. “Spitzenverdienern” ausgeglichen werden müssen, aber zunächst ein unterschiedliches Verständnis darüber hatten was denn eigentlich  ein “Spitzenverdiener” ist.

Schlussendlich hat der Rat sich dazu entschieden die Gehaltsstaffelung für die Beitragsbemessung die zuvor bei einem Höchstsatz von 75.000€ lag auf 110.000€ hochzusetzen. Ob dieser Satz nun der Definition eines Spitzenverdieners gleichkommt, insbesondere wenn beide Elternteile arbeiten und das Einkommen gemeinsam veranlagt wird und Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder sonstige Prämien hier mit reinfallen, lass ich jetzt mal dahingestellt.

In Zukunft sollte man auf jeden Fall dreimal nachrechnen, ob man sich die Überstunden – von denen ohnehin nach Steuern nicht viel übrig bleibt – auszahlen lässt und dadurch dann vermutlich noch in die nächst höhere Einkommensstufe rutscht. Da ist der Bürger dann mal wieder doppelt gearscht und in dieser Sache dann wohl wieder vereint.

Überhaupt ist das Thema vereint zu sein bzw. es eben nicht zu sein mittlerweile fast schon in den Vordergrund getreten und ich weiß nicht, ob es nur mein verdammtes Bedürfnis nach Harmonie und Weltfrieden ist, was da aus mir spricht, aber ich selbst empfinde diese Entwicklung fast noch schlimmer als die eigentliche Erhöhung.

Denn es bilden sich gerade regelrecht Lager und man merkt wie das Bürgertum hier sehr gespalten reagiert – ein “es ist mir egal, es betrifft mich nicht”, habe ich bisher kaum gehört, dabei gibt es tatsächlich einige die es aus finanzieller Warte nicht betrifft.

Stattdessen argumentieren diejenigen die es betrifft damit, dass eine Erhöhung  in einem solchen Ausmaß von tw. bis zu 137€ (pro Monat!) unverhältnismäßig und unangemessen ist und sowieso immer alles auf die Mittelschicht abgewälzt wird und diejenigen, die es nicht betrifft, erfreuen sich noch fast daran, denn “das ist nur fair ” und “wer so viel Geld verdient, kann es sich doch auch locker leisten.”

Wer sich wehrt, bekommt den Stempel “reich” verpasst und wenn ich mich dann in meiner kleinen 3-Zimmer Mietwohnung umgucke in der wir zu viert wohnen, merke ich dann doch wie mir bei einigen Kommentaren der Hals zuschwillt.  Ich will mich nicht beklagen, denn es gibt sicher viele Familie, die (auch heutzutage) auf noch engerem Raum zusammen wohnen bzw. auch mit ganzen anderen Problemen im Leben kämpfen, aber sich als verpöhnter “Spitzenverdiener” kaum eine räumliche Vergrößerung leisten zu können (von Eigenheim ganz zu schweigen) passt doch irgendwie nicht zusammen, oder?

Demokratie. Keiner macht sich Gedanken. Und jeder darf sagen was er will. (Werner Mitsch).

Meinungsfreiheit ist gut. Ignoranz und Missgunst sind scheisse. Das Karma wird’s richten und ich investiere meine Energie in der Zwischenzeit lieber in die eigentliche Initiative statt sie schon im Vorfeld in sinnlosen Diskussion zu verbrennen.

Und der Tag heute war gut. Und er tat gut.  Und das nicht nur weil tatsächlich einige Unterschriften zusammen gekommen sind, sondern auch weil man einen sehr regen Austausch hatte und auch mal die Herausforderungen von anderen Familien kennengelernt hat, wo man immer denkt, dass nur einem selbst immer und überall Steine in den Weg gelegt werden.

Mütter die überlegen, ob sie überhaupt arbeiten gehen sollen, denn von dem Einkommen bleibt nach Steuer und Abzug der horrenden KiTa Beiträge eh nichts mehr über – da sei es doch wirtschaftlicher sein Kind selbst zu betreuen und sich arbeitslos zu melden. Nicht zuletzt verschafft der Arbeitslosenstatus ja auch noch andere Vorteile. Finde den Fehler! 

Insgesamt waren alle dankbar, dass sich jemand der Sache angenommen hat und viele gelobten selbst nochmal innerhalb ihrer Freundes- und KiTa-Kreise aktiv zu werden. Inwieweit diese Worte nur dem Aktionismus  des Moments geschuldet waren, wird sich zeigen dennoch habe ich die Hoffung, dass das heute erst der Anfang war.

Ob wir unseren lieben Bürgermeister und sein politisches Kollegium dazu bewegen können, die Entscheidung zu revidieren, sei mal dahin gestellt, zumal wir ja auch kein Rechtsverfahren einleiten, sondern uns “lediglich” beschweren. Aber ein bisschen bürgerlichen Groll und Unmut gen Rathaus kann ja nie schaden. Und dass die Bürger untereinander zur Zielscheibe werden, statt jene die das Ganze verzapft haben, weil sie nicht vernünftig haushalten können, ist schliesslich auch nicht fair.

 Immerhin ist es wohl schon seit über 2 Jahren bekannt, dass in diesem Bereich Defizite sind. Aber  macht ja nichts, denn “unsere Bürger sind wohlhabend und wir haben ja schließlich noch unsere Spitzenverdiener.”

Meine Partnerin in crime – bei dieser Initiative -hat dann heute nochmal ganz nüchtern die Fakten zusammengefasst:

Zukünftig zahlen wir bis zu 32% mehr, für eine Leistung die gleich geblieben ist.

Das darf man sich mal so auf der Zunge zergehen lassen. Jeder andere Bürger, der nicht so zivilisiert ist wie der brave Familienbürger, würde wahrscheinlich das komplette Rathaus einrennen – zu recht.

Für heute bin ich nun aber erstmal müde vom rebellieren. Watch this space für den nächsten Schritt bzw. das Resultat dieses ersten Schrittes. KiTa Beitragssätze sind ein bundesweites Problem und über Tipps, Tricks und Erfahrungswerte aus anderen Kommunen, Städten und Bundesländern in denen ja vielleicht sogar  ähnliche Elterninitiativen durchgeführt wurden, würde ich mich sehr freuen.

Night night for now!

Eure De Sa

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